Innsbrucker Forscher: Neues Testsystem für Medikamente gegen Myelom

Innsbruck (APA) - Innsbrucker Forscher haben ein dringend benötigtes Testsystems für neue Medikamente gegen das Multiple Myelom, einer Krebs...

Innsbruck (APA) - Innsbrucker Forscher haben ein dringend benötigtes Testsystems für neue Medikamente gegen das Multiple Myelom, einer Krebserkrankung des Knochenmarks, entwickelt. Es sei ihnen gelungen, menschliche Miniatur-Myelome in schalenlosen, bebrüteten Hühnereiern wachsen zu lassen und daran neue Wirkstoffe zu testen, hieß es in einer Aussendung am Montag.

Bisher habe es an geeigneten Testsystemen gefehlt, um neue Wirkstoff-Kandidaten schnell und in möglichst natürlicher Umgebung zu prüfen. Die Wissenschafter des EU-Projekts „OPTATIO“ hätten diese Lücke nun füllen können. Die Forscher konnten kürzlich zeigen, dass Substanzen von marinen Organismen in ihrem Testsystem effektiv gegen das Multiple Myelom wirkten. Sie führten ihr neues Verfahren per Video in der soeben erschienenen Ausgabe des „Journal of Visualized Experiments“ vor.

Die Wissenschafter aus der Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Universität Innsbruck statteten menschliche Myelomzellen mit dem grün leuchtenden Quallenproteil GFP aus, um sie unter dem Fluoreszenzmikroskop leicht erkennen und beobachten zu können. Diese markierten Zellen züchteten sie mit menschlichen Knochenmarks-Bindegewebszellen und mit Kollagen in Form kleiner dreidimensionaler Zell-Kugeln heran. So simulieren sie die natürliche Knochenmarksumgebung des Tumors, die beim Myelom eine entscheidende Rolle spielt. Die Zell-Kugeln übertrugen sie auf die äußere Haut eines bebrüteten Hühnereis, dem sie zuvor die Schale entfernt hatten. Auf dieser sogenannten Chorioallantoismembran (C) wachsen die menschlichen Mini-Tumore in einer Petrischale heran.

Die Forscher gaben nach eigenen Angaben verschiedene Test-Substanzen hinzu und beobachteten, ob diese die Myelomzellen in ihrer dreidimensionalen, kugeligen Umgebung töten. Das sei nicht selbstverständlich, denn die umgebenden Bindegewebszellen schirmten den Tumor im Testsystem genauso wie im Körper des Patienten ab. Diesen „Schutzschild“ müssen Krebsmedikamente überwinden, um wirken zu können. Zudem verfolgten die Forscher über mehrere Tage, ob der Krebs Blutgefäße anlockt, die ihn versorgen, oder ob die Test-Substanzen dies verhindern können. Schließlich erlaubt das System auch Rückschlüsse auf die Toxizität für den Gesamtorganismus.

Wolfgang Willenbacher, wissenschaftlicher Leiter von „OPTATIO“, zeigte sich nach Abschluss des dreijährigen EU-Forschungsprojekts zufrieden: „Ziel von ‚OPTATIO‘ war es, die Mikroumgebung des Multiplen Myeloms zu erforschen und herauszufinden, wie man ihre Manipulation therapeutisch nutzen kann. Wir haben dazu in internationaler Zusammenarbeit wertvolle Grundlagen schaffen können, insbesondere durch den Aufbau von Registern, aber auch mit neuen Testsystemen, die in ‚OPTATIO‘ entwickelt wurden.“

Das Multiple Myelom befällt eine bestimmte Sorte von Immunzellen im Knochenmark, die Plasmazellen. Sie vermehren sich ungehindert, zerstören dabei die Knochen und schädigen die natürliche Körperabwehr. Die Behandlung der zumeist älteren Patienten ist schwierig, denn dieser Krebs verhält sich individuell sehr unterschiedlich, und die Tumorzellen werden schnell resistent. Dringend nötig wäre daher eine breite Palette von auf verschiedene Weise wirkenden Medikamenten.


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