Causa AvW - Gericht prüft im Sommer 19.000 Forderungen

Wien/Krumpendorf (APA) - Fünf Jahre nach der Pleite des Kärntner Finanzkonglomerats AvW des inhaftierten Gründers Wolfgang Auer-Welsbach hof...

Wien/Krumpendorf (APA) - Fünf Jahre nach der Pleite des Kärntner Finanzkonglomerats AvW des inhaftierten Gründers Wolfgang Auer-Welsbach hoffen die rund 12.500 geschädigten Anleger noch immer auf Geld. 19.000 Forderungen wurden angemeldet. Im Juli und August finden am Landesgericht Klagenfurt Tagsatzungen statt, wo diese geprüft werden. Das vorhandene Vermögen der beiden AvW-Gesellschaften beläuft sich auf 73,5 Mio. Euro.

Die spektakuläre Pleite des Genussschein-Konstrukts von Auer-Welsbach beschäftigt noch immer die Gerichte, schließlich versuchen die geschädigten Anleger, doch irgendwie einen Teil ihres verloren gegangenen Investments zurückzuholen. Sie haben zum Beispiel Klagen gegen die Republik - wegen angeblichen Versagens des Finanzaufsicht -, gegen die Anlegerentschädigung für Wertpapierfirmen (AeW) sowie Vermittler der letztlich wertlosen AvW-Papiere angestrengt.

Auch die Masseverwalter Gerhard Brandl und Ernst Malleg haben zur Klärung offener Rechtsfragen Musterverfahren ins Rollen gebracht. Diese sind im Wesentlichen abgeschlossen, erklären sie den Anlegern in einem Brief vom Montag, der der APA vorliegt. In den beiden Konkursverfahren der AvW Gruppe AG sowie der AvW Invest AG finden vom 13. Juli bis 3. August Prüfungstagsatzungen statt.

Die genaue Höhe der angemeldeten Forderungen gaben die Masseverwalter nicht bekannt. Es ist von rund 1 Mrd. Euro die Rede, wobei aber wohl nur rund die Hälfte anerkannt werden dürfte, denn einige Forderungen wurden mehrfach angemeldet. Auer-Welsbach hatte im Strafprozess 2010/11 gegen ihn zugegeben, einen Schaden von mehr als 450 Mio. Euro angerichtet zu haben. Er wurde wegen Betrugs und Untreue zu acht Jahren Haft verurteilt.

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Im Massetopf der AvW-Gesellschaften liegen lediglich 73,5 Mio. Euro - 46,1 Mio. auf dem Konto der AvW Gruppe AG und 27,4 Mio. auf jenem der AvW Invest AG. Die Verwertung des Vermögens ist laut Masseverwalter abgeschlossen. Sie haben unter anderem Liegenschaften, Motorboote und Aktienpakete des Krumpendorfer Finanzimperiums veräußert.

Das Geld soll im Februar 2016 fließen, so der Plan der Insolvenzverwalter. Sollten die noch anhängigen Gerichtsverfahren in der Sache „bis dahin noch nicht entschieden sein, beabsichtigen wir die entsprechende Quote bei Gericht zu hinterlegen und je nach dem Ergebnis der betreffenden Entscheidung auszuschütten. Dasselbe gilt für allfällige Prüfungsprozesse“, heißt es im 6. Anlegerbrief.

Eines dieser noch laufenden Verfahren ist der Musterprozess zu Hans Linz. Linz hat eine eigene „Barschiene“ beim Verkauf von AvW-Genussscheinen aufgezogen und wurde ebenfalls wegen Betrugs verurteilt. Nun wird vor Gericht geklärt, ob jene, die bei Linz gekauft haben, auch Anrecht auf Geld aus dem AvW-Massetopf haben. Ein erstinstanzliches Urteil sprach ihnen auch in den AvW-Konkursverfahren Gläubigerstellung zu, die Masseverwalter haben dagegen aber berufen, weil sie anderer Ansicht sind. Die Quote in Linz‘ Konkursverfahren hatte nur 1,2 Prozent betragen.

Weiters wird vor Gericht um eine Finanzamtszahlung über 63 Mio. Euro gestritten. Das Klagenfurter Finanzamt hat 2012 als Ergebnis einer Außenprüfung für den Zeitraum 2002 bis 2008 Körperschaftsteuern in Höhe von 58,2 Mio. Euro plus 7,6 Mio. Euro an Zinsen, insgesamt also 65,8 Mio. Euro, vorgeschrieben. Die Masseverwalter haben gegen die Bescheide berufen - vorerst erfolgreich: Am 5. März 2015 hat das Bundesfinanzgericht die Steuer auf 2,6 Mio. und die Zinsen auf 300.000 Euro reduziert. Dagegen hat aber wiederum das Finanzamt eine außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) erhoben. Geht diese durch, fließen knapp 63 Mio. Euro in die Staatskasse - Geld, das sonst den Anlegern zugutekommen würde.

Die Masseverwalter weisen die Anleger außerdem darauf hin, dass sie, wenn sie bereits Entschädigungszahlungen von Banken oder dergleichen bekommen haben, ihre Forderungen um diesen Betrag einschränken müssen. Bei den Prüfungstagsatzungen wird höchstens der tatsächlich bezahlte Kaufpreis plus das tatsächlich bezahlte Agio (Ausgabeaufschlag) zuzüglich 4 Prozent Zinsen anerkannt. Die Betroffenen werden gebeten, die Masseverwalter nicht anzurufen, „da telefonische Auskünfte zu 19.000 Forderungsanmeldungen unmöglich zu bewältigen sind.“

~ WEB http://www.avw.at ~ APA402 2015-05-04/15:50


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