Heftige Kritik in Bulgarien an Kirchenbeschluss, König zu feiern

Sofia (APA) - Die jüngste Entscheidung der bulgarischen Bischofskonferenz, den früheren bulgarischen König und Ex-Premier Simeon Sakskoburgg...

Sofia (APA) - Die jüngste Entscheidung der bulgarischen Bischofskonferenz, den früheren bulgarischen König und Ex-Premier Simeon Sakskoburggotski in Gottesdiensten künftig explizit als „König“ zu würdigen, sorgt für heftige Kritik in Bulgarien. Präsident Rossen Plewneliew forderte eine Revidierung des Beschlusses, da dadurch im Land eine neue Spaltung zwischen Monarchisten und Republikanern drohe.

Die bulgarische orthodoxe Kirche beging am Wochenende feierlich den 1.150. Jahrestag seit der Christianisierung der Bulgaren. Dabei weigerte sich das bulgarische Kirchenoberhaupt, Patriarch Neofit (Neophyt), die umstrittene Entscheidung der Bischofskonferenz näher zu erklären. „Das sind Dinge, über die man an einem Feiertag nicht ausführlich spricht. Er (Simeon, Anm.) besitze eine Würde, die wir nur unterstützen.“

An der Feier nahm auch die politische Elite des Landes teil. Anwesend war auch der frühere König Sakskoburggotski, der das öffentliche Leben sonst meidet, seitdem er sich auch offiziell aus der Politik zurückgezogen hat. Der bulgarische Premier Bojko Borissow, der seine Karriere als persönlicher Leibwächter Simeons begonnen hatte, wurde bei den Feierlichkeiten mit einer Kirchenmedaille ausgezeichnet, kommentierte die umstrittene Entscheidung aber nicht.

Dagegen erklärte sein Vizepremier, der für die EU-Fonds verantwortliche Tomislaw Dontschew, am Montag bei einem Fernsehauftritt, dass Bulgarien mit den ehemaligen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs, inklusive Sakskoburggotski, ein Potenzial an Beziehungen besitze, das zu wenig außenpolitisch ausgeschöpft werde.

Medien vermuten hinter dem Kirchenbeschluss die lange Hand Russlands, da Simeon allgemein als Russland gegenüber freundlich eingestellt gilt. Journalisten spekulieren, dass die bulgarischen Bischöfe, die in großer Zahl für den bulgarischen Geheimdienst tätig gewesen sein sollen, nach wie vor gute Beziehungen zu Moskau haben. Dem Bischof von Plowdiw, Nikolaj, von dem auch der Vorschlag zur Würdigung Simeons in der Messe stammte, werden nahe Beziehungen zu Waffenhändlern mit Kontakte nach Russland nachgesagt.

Ein vermuteter Wiedereinstieg des Ex-Monarchen in die Politik ist allerdings fraglich. Sakskoburggotski scheiterte 2009 nach acht Jahren in der Regierung bei den Parlamentswahlen mit seiner Partei NDSV an der Vierprozenthürde. Die Partei hat sich von der Niederlage nicht erholt und zerfiel.


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