Newspaper Congress: Zeitungen „verquatscht statt fokussiert“

Wien (APA) - Multimediales Storytelling, visuelles Storytelling mit imposanten Bildern und großen Infografiken sowie die Reduktion auf das W...

Wien (APA) - Multimediales Storytelling, visuelles Storytelling mit imposanten Bildern und großen Infografiken sowie die Reduktion auf das Wesentliche - das sind laut dem Zeitungsdesign-Experten Norbert Küpper die aktuellen Zeitungstrends 2015.

„Zeitungen reduzieren ihre Gestaltungselemente auf das Wesentliche, und Zeitungen setzen auf Cover und Cover-Story, die im Blattinneren weitergeführt werden“, erklärte Küpper beim European Newspaper Congress in Wien. Und Zeitungen erprobten Multimedia-Storytelling. In den Online-Angeboten würden immer öfter lange Texte mit Filmen, animierten Grafiken und Audio-Slideshows präsentiert. Datenjournalismus mit Nutzwert finde hingegen noch zu wenig statt.

Pointierte Kritik an der Gattung Zeitung übte unterdessen „Handelsblatt“-Geschäftsführer Gabor Steingart. Viele Zeitungen seien heute bis auf die Knochen arrogant, autoritär, humorlos und „verquatscht statt fokussiert“. Medien verbreiteten Lächerlichkeiten und machten aus Mücken Elefanten, sie liefen den gleichen Themen nach und verbreiteten die gleichen Meinungen. Hart ins Gericht ging Steingart auch mit der Gratis-Kultur der Medienbranche. „Es ist eine Krankheit, dass wir alles verschenkt haben.“ Medienmanager sollten nicht länger Produkte entwickeln, die gratis sind. Das „Handelsblatt“ jedenfalls verkaufe täglich 30.000 Zugänge zu seinem Digitalangebot: ein „Millionengeschäft“.

Den Zeitungen riet Steingart, den Fokus auf das Wichtige zu legen. Das „Handelsblatt“ sei inzwischen etwa mehr als bloß Zeitung: eine „Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstands“, eine „multimediale Reporterzeitung“. Die knapp 200 Redakteure der Wirtschaftszeitung arbeiteten in Teams und entschieden eigenverantwortlich, welche Texte sie für welche mediale Plattform aufbereiten - die kurze Nachricht für online oder die Analyse für die Zeitung.

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Zeitungsdesigner Küpper und die Fachmedien „Medium Magazin“, „Der Österreichische Journalist“ und „Schweizer Journalist“ zeichneten im Rahmen des Newspaper Congress auch wieder „Europas Zeitungen des Jahres“ aus. „Publico“ aus Portugal wurde dabei zur besten überregionalen Zeitung gekürt, die Schweizer „SonntagsZeitung“ zur besten Wochenzeitung. „The Mayo News“ aus Irland erhielt den Titel beste Lokalzeitung, „Tubantia“ aus den Niederlanden bekam den für die beste Regionalzeitung. Bewertet werden bei den „European Newspaper Awards“ Konzept und Design der Titel.

Neben den vier Hauptpreisen werden in 19 Kategorien wie Titelseiten-Gestaltung, Visualisierung oder Foto-Reportage sogenannte „Awards of Excellence“ verliehen. „Kurier“, „Kleine Zeitung“, „Salzburger Nachrichten“, „Oberösterreichische Nachrichten“, „Presse“, „WirtschaftsBlatt“ und „Falter“ durften sich dabei teils über mehrfache Awards freuen. Die Werbedesign Akademie Innsbruck wurde für das Projekt „Shortcut“ zudem mit einem „European Student Award“ bedacht. Insgesamt haben sich 194 Zeitungen aus 27 Ländern am Wettbewerb beteiligt.


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