Nach Pädophilie-Skandalen an Schulen plant Frankreich Gesetzesreform

Grenoble (APA/AFP) - Nach einer Reihe von Skandalen um pädophile Lehrer in Frankreich will die Regierung den Informationsaustausch zwischen ...

Grenoble (APA/AFP) - Nach einer Reihe von Skandalen um pädophile Lehrer in Frankreich will die Regierung den Informationsaustausch zwischen Justiz und Schulbehörden verbessern.

Die Justiz soll gesetzlich nicht nur dazu verpflichtet werden, eine Verurteilung von Lehrern wegen sexueller Übergriffe auf Kinder an die Schulverwaltung zu melden, wie Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem und Justizministerin Christiane Taubira am Montag in Grenoble ankündigten. Schon bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens sollen die Schulbehörden über den Verdachtsfall unterrichtet werden.

Die Neuregelung betrifft nicht nur Lehrer, sondern alle Öffentlich Bediensteten, die bei ihrer Arbeit Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben. Die Beratungen über den Gesetzestext in der Nationalversammlung sollen Anfang Juni beginnen.

Ein Rundbrief des Justizministeriums vom November 2001 sieht zwar bereits vor, dass einschlägige Verurteilungen von Lehrern der Schulbehörde gemeldet werden müssen. Diese Vorschrift wurde aber bisher nicht immer eingehalten. Erziehungsministerin Vallaud-Belkacem sprach am Sonntag im Fernsehsender France 3 von „zahlreichen Versäumnissen“.

Anlass für die neuen Vorschriften ist ein im März bekannt gewordener Missbrauchsskandal an einer Volksschule in Villefontaine nahe Lyon. Dort wurde der Schulleiter wegen Vergewaltigung festgenommen. Die Justiz wirft ihm vor, sich an zahlreichen Schülerinnen vergangen und sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft vom Montag haben sich inzwischen 55 Minderjährige oder ihre Eltern bei der Justiz gemeldet.

Der Fall rief in Frankreich umso größere Empörung hervor, als der Mann bereits 2008 wegen des Besitzes von pädophilen Pornofotos zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden war. Das Erziehungsministerium war darüber nicht informiert worden.

Nach diesem Skandal wurden dem Ministerium mehrere einschlägig vorbestrafte Lehrer gemeldet. Nahe der bretonischen Stadt Rennes wurde daraufhin ein Sportlehrer vom Dienst suspendiert.


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