Zwei Quereinsteiger wollen für US-Republikaner ins Weiße Haus

Washington (APA/AFP) - Ein afroamerikanischer Neurochirurg und eine frühere Chefin des Technologiekonzerns Hewlett-Packard machen den etabli...

Washington (APA/AFP) - Ein afroamerikanischer Neurochirurg und eine frühere Chefin des Technologiekonzerns Hewlett-Packard machen den etablierten US-Republikanern im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur 2016 Konkurrenz: Ben Carson und Carly Fiorina meldeten am Montag ihre Ansprüche auf das höchste Staatsamt der Vereinigten Staaten an, auch wenn sie bisher noch nie ein politisches Mandat innehatten.

Beiden Quereinsteigern werden im wachsenden republikanischen Bewerberfeld kaum Chancen eingeräumt. Fiorina verwies im Fernsehsender ABC auf ihre Erfahrung als Konzernlenkerin. „Ich bin die beste Person für diesen Job, weil ich verstehe, wie die Wirtschaft tatsächlich funktioniert“, sagte sie.

Die 60-jährige Managerin führte Hewlett-Packard von 1999 bis 2005. Allerdings musste sie auf Druck des Verwaltungsrats zurücktreten, weil die Entwicklung des Unternehmens unter den Erwartungen der Aktionäre blieb.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2008 arbeitete Fiorina als Beraterin für Wirtschaftsfragen im Team des republikanischen Kandidaten John McCain, der gegen Präsident Barack Obama unterlag. Vor fünf Jahren bewarb sie sich erfolglos um einen Senatssitz in Kalifornien. Im Interview auf ABC beklagte sie, dass sich die Regierung in Washington zu einer „aufgeblasenen, unverantwortlichen, korrupten Bürokratie“ entwickelt habe. Mit der Hilfe neuer Technologien wolle sie die Bürger wieder stärker in die Entscheidungen einbinden.

Carson rückte vor zwei Jahren ins politische Rampenlicht, als er bei einer Veranstaltung in Washington im Beisein Obamas die Gesundheitsreform des Präsidenten scharf kritisierte und den „moralischen Verfall“ des Landes anprangerte. Ein anderes Mal nannte er Obamacare „das schlimmste, was dieser Nation seit der Sklaverei widerfahren ist“.

Die Tea-Party-Bewegung der Republikaner feiert den inzwischen pensionierten Mediziner, der auch mit seinen Äußerungen zur Homosexualität den Geschmack der erzkonservativen Bewegung trifft. So verglich er Schwule mit Pädophilen und erklärte, die Erfahrung aus Gefängnissen zeige, dass Homosexualität eine „freie Entscheidung“ sei.

Carson erklärte am Sonntagabend im Fernsehsender WJLA, dass er sich um die Kandidatur bei den Republikanern bewerben werde. Eine formale Ankündigung plante der 63-Jährige am Montag in seiner Heimatstadt Detroit. Von dort schaffte er den Aufstieg aus armen Verhältnissen zum Leiter der kinderärztlichen Neurochirurgie am Krankenhaus der Johns Hopkins Universität in Baltimore. Weltweite Bekanntheit erlangte er mit einer spektakulären Operation im Jahr 1987, als er am Kopf zusammengewachsene Siamesische Zwillinge trennte und beide Kinder zum ersten Mal bei einem derartigen Eingriff überlebten.

Bei den Republikanern zeichnet sich ein harter Kampf um die Präsidentschaftskandidatur ab: Auch die drei Senatoren Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul streben nach der Nominierung, sehr wahrscheinlich tritt außerdem Jeb Bush an. Der Ex-Gouverneur von Florida ist Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush (2001-09) und Sohn von Ex-Präsident George Bush (1989-93). Am Dienstag wird die Bewerbung von Mike Huckabee erwartet. Der Baptistenprediger und frühere Gouverneur von Arkansas hatte sich bereits 2008 vergeblich um die Kandidatur der Republikaner bemüht.

Die ersten Vorwahlen bei den Demokraten und Republikanern zur Kür von jeweils einem Präsidentschaftskandidaten finden Anfang kommenden Jahres statt. Obamas Nachfolger wird im November 2016 gewählt. Der Amtsinhaber darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Bei seinen Demokraten gilt die frühere Außenministerin Hillary Clinton als große Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur. Konkurrenz bekommt sie vom parteilosen Senator Bernie Sanders, der im linken Flügel der Demokraten Anhänger hat. Auch der frühere Senator Jim Webb hat sein Interesse erklärt, liegt in Umfragen aber ebenso wie Sanders weit hinter Clinton.


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