Mali - Arbeit am offenen Herzen von Timbuktu

Timbuktu (APA/AFP) - Zusammengekauert, eine Kelle in der Hand, ist der Maurer sichtlich stolz auf seinen Auftrag. Der Mann arbeitet zusammen...

Timbuktu (APA/AFP) - Zusammengekauert, eine Kelle in der Hand, ist der Maurer sichtlich stolz auf seinen Auftrag. Der Mann arbeitet zusammen mit Kollegen am Wiederaufbau der legendären Mausoleen im malischen Timbuktu, die im Jahr 2012 von Islamisten zerstört wurden.

„Wir haben unsere Maurer-Eltern gesehen, wie sie diese Mausoleen gebaut und nochmal gebaut haben“, sagt einer. „Wir wissen also, was zu tun ist, um unsere Kultur zu erhalten.“ Dass die Weltkulturorganisation UNESCO für ihr Wiederaufbau-Projekt auf einheimische Maurer zurückgreift, finden daher alle gut.

16 der imposanten Mausoleen Timbuktus für muslimische Heilige hatten die Islamisten zerstört - um gegen die angebliche „Götzenanbetung“ zu kämpfen. Die von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuften Bauwerke entgingen der Zerstörungswut der Extremisten ebensowenig wie die wertvollen Manuskripte in der historischen Oasenstadt im Norden Malis, die ihre Blütezeit als spirituelles und wirtschaftliches Zentrum im 15. und 16. Jahrhundert erlebte.

Inzwischen sind dank des UNESCO-Projekts zwei Mausoleen in einem Friedhof der Stadt bereits wieder aufgebaut. Drei weitere werden gerade restauriert. Der Bauleiter, der malische Architekt Mamadou Kone, hebt die Bedeutung des orginalgetreuen Wiederaufbaus der Bauten hervor. Dazu wurden die Überreste der zerstörten Mauern der Mausoleen wiederverwendet. Alte Fotos wurden gesichtet und ältere Einwohner zu Rate gezogen, die wichtige Hinweise liefern konnten in einem Land, in dem kulturelle Traditionen in der Regel mündlich überliefert wurden.

Kone verweist darauf, dass „die Erde von Timbuktu sowie Alhor (ein lokaler Baustein) verwendet wurden, um diese Mausoleen zu rekonstruieren“. Auch Reishalme und ein Material aus tonhaltiger Erde und Stroh wurden eingearbeitet.

Für die Einwohner von Timbuktu bedeutete die Zerstörung der Mausoleen zugleich die Zerstörung eines Teils der malischen Kultur. Denn den Heiligen, für die diese Mausoleen gebaut wurden, wird großer Respekt entgegengebracht. Sie gelten als Humanisten, Gebildete und Fromme. Jetzt freuen sich viele Einheimische nicht nur über den Wiederaufbau, sondern auch darüber, dass 140 Arbeitsplätze dank des Projekts geschaffen wurden.

Die UNESCO will damit auch „zum Prozess der nationalen Aussöhnung“ zwischen den verfeindeten ethnischen Gruppen in Mali beitragen. So wurde der Anfang der Rekonstruktion bei drei Mausoleen gemacht, die drei Heiligen aus verschiedenen Kulturkreisen gewidmet sind: einem von einem arabischen Stamm, einem aus einer weiter südlich gelegenen malischen Stadt und einem Algerier. „Mit anderen Worten - das Regenbogen-Mali, mit einem schwarzen Heiligen, einem aus Timbuktu und einem aus dem Maghreb“, sagt der Vertreter der Unesco in Mali, Lazare Eloundou Assomo.

Das Projekt umfasst aber nicht nur die Mausoleen, sondern auch die uralten Manuskripte von Timbuktu, von denen mehr als 4.000 verloren gegangen sind, verbrannt oder geraubt wurden. 10.000 andere Manuskripte blieben in der Stadt, lagerten aber unter schlechten Bedingungen. Weitere etwa 370.000 dieser wertvollen Papiere wurden heimlich in die rund 900 Kilometer südlich gelegene Hauptstadt Bamako gebracht, um sie vor den Jihadisten zu retten.

Der Norden Malis war im Jahr 2012 in die Hände gewaltbereiter Islamisten gefallen, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden waren. Eine im Jänner 2013 von Frankreich gestartete Militäroperation konnte die Jihadisten dann zurückdrängen. Seit August 2014 versuchen nun unter anderem Militärs der französischen Operation „Barkhane“, die Region zu sichern.

Vier Jahre dürften die Restaurationsarbeiten in Timbuktu - der „Stadt der 333 Heiligen“ - dauern. Kosten von umgerechnet rund zehn Millionen Euro werden veranschlagt. Der Imam der Großen Moschee von Timbuktu, Abderrahmane Ben Essayouti, ruft „die gesamte Welt zur Unterstützung des Projekts“ auf - damit „das Herz von Timbuktu wieder schlagen“ könne.


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