Maturanten hatten Wahl zwischen Süskind, Klum und Bettelverbot

Ohne Probleme hat am Dienstag mit dem Fach Deutsch die erste österreichweite Zentralmatura an den AHS begonnen. 19.200 Maturanten stellten sich identen Aufgaben.

Der Direktor einer Wiener Schule öffnet die verpackten Aufgabenhefte für die neue standardisierte Reifeprüfung (Zentralmatura) im Fach Deutsch.
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Wien - Ohne Probleme ist am Dienstag der Auftakt zur österreichweiten ersten Zentralmatura an den AHS über die Bühne gegangen. Bis zum frühen Nachmittag meldete keine Schule fehlende bzw. unvollständige oder unleserliche Angaben beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie).

Drei Themenpakete

Bei der Deutsch-Klausur standen drei Themenpakete mit je zwei Aufgaben zur Auswahl, von denen eines ausgesucht werden musste. Die in einem der Pakete enthaltene literarische Aufgabe stammte mit einem Text von „Parfum“-Autor Süskind diesmal von unverdächtiger Seite: Im Vorjahr hatte eine Vorlage mit angeblicher NS-Lastigkeit eines eher unbekannten deutschen Schriftstellers aus dem Jahr 1947 für Aufregung gesorgt.

Im Themenpaket „Familienbegriff“ mussten sich die Maturanten unter anderem anhand eines Zeit-Artikels mit Model und „Übermutter“ Heidi Klum auseinandersetzen. Das letzte Themenpaket enthielt unter anderem eine Aufgabe, bei der ein Leserbrief zu zwei Kolumnen verfasst werden musste, in der sich die österreichischen Journalisten Andreas Unterberger und Katharina Krawagna-Pfeifer mit dem Thema „Bettelverbot“ befassten.

„Untadeliger Text Süskinds“

Kein Problem mit dem Literatur-Thema an sich hatte diesmal die IG Autorinnen Autoren. Es handle sich dabei um einen „untadeligen Text Süskinds mit auf Sicherheit bedachten Arbeitsaufträgen“ und um „ein nobles Vorgehen zu einem schönen Thema“, so Geschäftsführer Gerhard Ruiss in einer Aussendung.

Nach wie vor Kritik übt der Autorenvertreter an der „Versuchsanordnung“: Diese sei „vollkommen indiskutabel“. Bei den Fragestellungen würden weder Wissen zur Literatur verlangt noch Informationen zu Autor oder Werk angegeben. Dadurch könne man nur werkimmanent interpretieren: „Ein journalistischer Text hätte jedoch mit den gleichen Arbeitsaufträgen ausgestattet werden können, denn das Literarische am Text, allem voran, dass es sich um einen Text des Genres ‚Satire‘ handelt, wurde weggeblendet.“

Korrekturanleitungen für Lehrer

Insgesamt stellten sich österreichweit alle 19.200 AHS-Maturanten den vom Bifie vorgegebenen Aufgaben, die erst unmittelbar vor dem Arbeitsbeginn aus den Schultresoren entnommen und vor den Schülern geöffnet wurden. Dazu nahmen noch im Rahmen von Schulversuchen berufsbildende höhere Schulen (BHS) in einem oder mehreren Fächern an der Zentralmatura teil.

Am späteren Nachmittag erhalten die Lehrer die Korrekturanleitungen online zur Verfügung. Anhand dessen verbessern die jeweiligen Klassenlehrer die Arbeiten ihrer Schüler. Diese bekommen ihr Resultat innerhalb von zehn Tagen. Im Bildungsministerium werden die Ergebnisse gesammelt und die gesamte Statistik über alle Gegenstände voraussichtlich am 26. Mai veröffentlicht. Wer durchfällt, kann sich den Fünfer am 1. oder 2. Juni bei einer Kompensationsprüfung ausbessern.

Die Zentralmatura wird am Mittwoch mit dem Fach Englisch fortgesetzt. Anders als bei Deutsch sind die Klausuren nicht für alle Schüler gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht, sechs oder vier Jahre gelernt wurde, werden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt. Die Prüfung umfasst vier Teile (Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben), die Bearbeitungszeit beträgt insgesamt 270 Minuten. (TT.com, APA)


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