Großbritannien-Wahl - UKIP in Dover: „Sind keine Karriere-Politiker“

Dover (APA) - „Wir sind keine Karriere-Politiker, wir sind normale Leute“, unterstreicht David Little, Kandidat der UK Independence Party (U...

Dover (APA) - „Wir sind keine Karriere-Politiker, wir sind normale Leute“, unterstreicht David Little, Kandidat der UK Independence Party (UKIP) für den Wahlkreis Dover and Deal im Südosten Englands. Das sei es unter anderem, was die Partei für bisherige Nichtwähler attraktiv mache. „Sie können sich mit uns identifizieren, weil wir normale Jobs gehabt haben“, sagt er im Gespräch mit der APA.

Der 51-Jährige tritt zum ersten Mal für einen UKIP-Sitz im Parlament an, hat die Partei aber schon 2010 gewählt. Damals hätten sich 1.700 Personen in diesem Wahlkreis für UKIP entschieden, Labour sei auf 17.000 Stimmen gekommen, die siegreichen Konservativen auf 22.000. „Wir haben also einen Berg zu erklimmen, aber wir sind sehr, sehr zuversichtlich.“ Das vor allem aufgrund der bisherigen Erfahrungen im Wahlkampf: „Die Unterstützung, die wir bekommen, ist enorm.“

UKIP sei für verschiedene Gruppen attraktiv und ziehe ehemalige Tory-Wähler ebenso an wie bisherige Labour-Unterstützer. „Und die dritte Gruppe, über die keiner im Land so genau Bescheid weiß, sind Menschen, die bisher nicht gewählt haben oder seit mindestens zehn Jahren nicht mehr“, sagt Little. „Wir haben keinen Zielmarkt, es ist wirklich erstaunlich“, betont der Unternehmer. Vielmehr unterstützten „alle möglichen Leute“ UKIP.

Sein Partei charakterisiert er als „libertär“: „Wir glauben an eine kleine Regierung, niedrige Steuern und die Freiheit der Individuen. Wir wollen, dass die Menschen ihr Leben leben, wie auch immer sie möchten, im Rahmen der Gesetze.“ Außerdem sei die Partei „sehr euroskeptisch“: „Ich werde sehr gerne als euroskeptisch beschrieben, das ist aus meiner Sicht kein beleidigender Begriff.“

Gegen den immer wieder erhobenen Vorwurf, UKIP sei rassistisch, verwehrt er sich jedoch entschieden. „Wir sind kategorisch keine rassistische Partei, und jeder, der auch nur entfernt rassistische Ansichten äußert, wird entlassen.“ Auch sei UKIP die einzige Partei, die ehemaligen Mitgliedern der Britischen Nationalpartei (BNP) und der English Defence League (EDL) nicht erlaube beizutreten, betont Little.

Als größte Herausforderungen, die in Dover und Deal in Angriff genommen werden müssten, nennt er Stadterneuerung und Zuwanderung. „Dover ist eine Baustelle“, seit 1945 sei nicht viel passiert. „Dover ist der belebteste Passagierhafen in Europa und der zweitbelebteste Kreuzfahrtterminal in Großbritannien. 13 Millionen Menschen nutzen den Hafen jedes Jahr. Die Burg von Dover ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten in Großbritannien. Überall, auch in Wien, kennt man die weißen Kreidefelsen von Dover, das ist berühmt. Und die Stadt hat wirklich zu kämpfen.“

Das andere Problem sei die Zuwanderung. „Wir haben kein Problem mit Immigration wegen der Hautfarbe, Religion oder Nationalität der Menschen. Wir haben ein Problem, weil sie eine enorme Belastung für die öffentliche Versorgung bedeutet: Schulen, Spitäler, Ärzte, Zahnärzte, Arbeitsplätze.“

Beide Bereiche seien verbunden, denn die Bevölkerung wachse, „was bedeutet, dass wir mehr Häuser, Ärzte, Schulen und Arbeitsplätze brauchen. Und alles, was wir sehen, sind mehr Leute ohne die nötige Infrastruktur dafür.“

Das Zuwanderungsproblem lasse sich nicht lokal lösen. „Das ist ein nationales Problem.“ UKIP wolle aus der EU austreten und ein Punktesystem nach dem Vorbild Australiens einführen. So könne man „die Qualität und Quantität“ der Leute, die ins Land kommen, kontrollieren und etwa statt ungelernter Arbeitskräfte bestimmte gesuchte Berufsgruppen anziehen.

Als weiteren Grund, warum UKIP aus der EU austreten wolle, führt Little die Frage der Souveränität an: „75 Prozent unserer Gesetze werden in Brüssel gemacht, nicht im Parlament“, sagt er. „Wir lieben Europa, wir lieben die Europäer, wir wollen nur nicht von ihnen regiert werden.“

(Das Gespräch führte Alexandra Frech/APA)


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