Großbritannien-Wahl - „UKIP ärgern“: Mit der EU-Flagge gegen Farage

London (APA) - Die blaue EU-Fahne an der Fassade des Designgeschäftes in Ramsgate bewegt sich leicht im Wind. „Das ist der vierte Versuch, d...

London (APA) - Die blaue EU-Fahne an der Fassade des Designgeschäftes in Ramsgate bewegt sich leicht im Wind. „Das ist der vierte Versuch, diesmal hat sie sich am längsten gehalten, bisher zweieinhalb Wochen“, sagt Geschäftsinhaber Matthew. Dreimal sei die Flagge schon heruntergerissen worden, das erste Mal nach nur zwei Stunden. „Jetzt habe ich ein Stahlseil zur Verstärkung.“

„Ich habe die Fahne aufgehängt, um UKIP zu ärgern“, erklärt er und lacht. „Und um zu zeigen, wo wir stehen.“ Immer wieder kämen Leute in den Shop und sagten, dass ihnen die Flagge gefalle. In einem der Schaufenster hängt ein Plakat gegen die UK Independence Party (UKIP), im Geschäft selbst liegen auf einem kleinen Tischchen Flyer und Pins gegen die Partei auf, deren Vorsitzender Nigel Farage in diesem Wahlkreis kandidiert.

In dem Shop, der auf 20. Jahrhundert-Vintage spezialisiert ist, finden sich Einrichtungs- und Dekorationsgegenstände. Matthew betreibt ihn gemeinsam mit seinem aus Frankreich stammenden Geschäftspartner Paul.

„Unsere Position ist völlig eindeutig“, unterstreicht er. Zum einen aus geschäftlicher Sicht: „Wir kaufen das meiste von unserem Bestand in Deutschland. Wir können eine Fähre nehmen und durch drei verschiedene Länder fahren, um dorthin zu gelangen“, fügt er hinzu. „Ohne die EU könnten wir dieses Geschäft nicht führen. Dass es keine Grenzen gibt, ist essenziell für das, was wir machen.“

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Auch sei sein Kompagnon Franzose. „Er lebt zwar schon seit 1984 hier, ist aber nie britischer Staatsbürger geworden. Falls UKIP jemals mit ihrer Politik erfolgreich sein sollte, würde das, von einem persönlichen Blickwinkel aus betrachtet, natürlich Schwierigkeiten mit sich bringen.“

Es gebe jedoch nicht nur pragmatische Gründe, sondern auch moralische: Farage würde den Leute nach dem Mund reden. „Er nützt die Naivität und Unwissenheit der Leute aus.“

Natürlich werde UKIP nie an die Macht kommen, sagt der studierte Jurist, der vor einem Jahr seinen Beruf als Anwalt in Strafsachen an den Nagel gehängt und den Shop eröffnet hat. „Aber wenn er (Farage) in South Thanet hineinkommt, wird South Thanet als Tummelplatz der Unwissenheit bekannt sein. Wer wird dann schon nach South Thanet kommen wollen?“

Gerade sei eine Gruppe Sprachschüler an dem Geschäft vorbeigegangen. „Wenn Sie die Wahl hätten, wo Sie in Großbritannien Englisch lernen, dann wäre der letzte Ort, an den Sie gehen würden, doch Thanet, Farage-Land, oder?“

Warum UKIP gerade hier in Umfragen recht erfolgreich ist, erklärt sich Matthew damit, dass die Gegend vernachlässigt worden sei. „Der Südosten (Englands) ist natürlich bekannt als wohlhabende Gegend, aber Thanet ist die kleine Ecke im Südosten, die jahrelang ignoriert worden ist.“

Er selbst will am 7. Mai Labour wählen, obwohl er ernsthafte Bedenken habe, welchen Weg die Partei seit 1997 eingeschlagen habe. „Wenn ich eines von diesen Computerprogrammen befragen würde, die einen sagen, wen man wählen soll, dann würden wahrscheinlich die Grünen herauskommen.“ Doch die hätten hier in South Thanet realistischerweise keine Chance.


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