„Weltcup-Konto“ fährt mit dem Bobverband Schlitten

Wirtschaftsprüfer kritisieren im Zwischenbericht „Schwarzkonto“. Für Erlöse von 394.000 € und Ausgaben von 302.000 € gibt es jedoch Aufstellungen.

Der Bobverband ist in öffentliche Schieflage geraten. Ein „Weltcup-Konto“ und ein Sparbuch des Tiroler Verbands sind dafür verantwortlich.
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Von Peter Nindler

Innsbruck –Den Generalsekretär des Bobverbands Martin Kerbler hatte Astrid Stadler fristlos entlassen, am 21. April trat sie selbst als Bobverbandspräsidentin zurück. Sie warf den Vereinen vor, nicht an der Aufklärung möglicher finanzieller Ungereimtheiten interessiert zu sein. Das wiederum wiesen die Vereinsfunktionäre brüsk zurück. Was hat es jetzt mit den finanziellen Turbulenzen im Bobverband tatsächlich auf sich? Die TT hat sich den Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO Austria GmbH angesehen, laut Verband wird die BDO vom 20. bis 22. Mai eine Abschlussprüfung vornehmen. Für Interims-Präsident Roman Schobesberger hat eine lückenlose Aufklärung Vorrang.

Es geht sowohl um die Gebarung des österreichischen (ÖBSV) als auch des Tiroler Verbands (TBVS). Die von der Generalversammlung beschlossenen Rechnungsabschlüsse weisen im Mai 2014 rund 152.449 Euro bzw. 64.410 Euro aus. Die Wirtschaftsprüfer bemängelten beim ÖSBV jedoch eine Abweichung von 935 Euro und beim TBSV eine von 800 Euro. Doch neben der offiziellen Rechnungsführung gab es beim Tiroler Verband ein Sparbuch, auf dem derzeit 10.000 Euro liegen. Es befand sich im Safe der Kassiererin.

Der österreichische Bobverband führte seinerseits ein unter „Weltcup“ bezeichnetes Konto bei der Bank Austria. War es geheim, wie Stadler kritisierte? Für Ex-Präsident Andreas Lotz nicht, die Wirtschaftsprüfer sprechen aber dezidiert von einem „Schwarzkonto“, weil es nicht Teil der Buchhaltung war und die Einnahmen sowie Ausgaben nicht der Generalversammlung vorgelegt wurden.

Von 2010/2011 bis 2014/ 2015 wurden darauf Erträge von 394.000 Euro verbucht und Auszahlungen von 302.000 Euro getätigt. Wie die Wirtschaftsprüfer darlegten, erfolgten u. a. Ausgaben für Funktionäre, für Mitarbeiter des Verbands sowie Zahlungen an Trainer und Athleten. Im Zusammenhang mit der englischen TV-Show „The Jump“ im Igler Eiskanal lu-krierte man für das Weltcup-Konto 47.000 Euro, es gab danach jedoch auch Auszahlungen an Einzelpersonen. Stadler lastete hier dem Generalsekretär Eigenmächtigkeiten an, weil er ohne Vorstandsbeschlüsse agiert habe. Allerdings: Für die Ein- und Auszahlungen liegen Excel-Tabellen mit Namen vor. Die Beträge und der Verwendungszweck werden jetzt ebenfalls genau durchleuchtet. Es geht darum, wer wie viel und wofür erhalten hat.

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Die Empfehlungen der Wirtschaftsprüfungskanzlei sind allerdings bereits nach dem Zwischenbericht eindeutig: Eine doppelte Buchführung und ein Vier-Augen-Prinzip werden dringend angeraten, dazu sollte der Verband die Dienstverträge korrekt abschließen, damit keine abgabenrechtliche Probleme auftreten.

9000 Euro an Förderungen werden übrigens an das Land zurückgezahlt. Damit wurden Sekretariatsarbeiten abgerechnet. Der zwischenzeitlich entlassenen Mitarbeiterin stand das Geld zu, sie hätte es sich in dieser Form aber nicht auszahlen dürfen.


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