Schweizer Erfolgsgeheimnis 2 - Forscher arbeiten nicht für Papierkorb

Bern (APA) - Die politische Diskussion beschränkt sich laut Staatssekretär Mauro Dell‘Ambrogio alle vier Jahre vor allem darauf, ob es mehr ...

Bern (APA) - Die politische Diskussion beschränkt sich laut Staatssekretär Mauro Dell‘Ambrogio alle vier Jahre vor allem darauf, ob es mehr Grundfinanzierung für die Unis oder mehr kompetitiv vergebene Mittel geben soll. „Wir haben viel weniger zu tun als andere Forschungsministerien, aber dadurch können wir uns auf wichtige strategische Fragen konzentrieren und nicht auf die Verwaltung“, so Dell‘Ambrogio.

So sieht der Staatssekretär „unsere Priorität nicht darin, im Parlament ein paar Mio. Franken mehr an Forschungsförderung zu holen“. Er sagt das im Zusammenhang mit den rund 20 Mrd. Franken, die Schweizer Unternehmen wie Novartis, Roche oder Nestle im Ausland in Forschung investieren. Dell‘Ambrogio geht es deshalb vor allem darum, „möglichst viel von diesen privaten Forschungsausgaben in der Schweiz zu halten“. Deshalb würden etwa geplante Maßnahmen anderer Ministerien dahin gehend kritisch beobachtet, ob sie dem Forschungsstandort schaden könnten.

Beim Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) sieht man die paar Mio. Franken Fördermittel mehr oder weniger nicht so entspannt wie Dell‘Ambrogio. Und das, obwohl der SNF im Vergleich zu seiner österreichischen Schwesterorganisation, dem Wissenschaftsfonds FWF, wie auf Rosen gebettet anmutet. 840 Mio. Franken stehen dem SNF zur Verfügung, der damit über 3.400 Projekte fördert. Das Bewilligungsvolumen des FWF betrug zuletzt 211 Mio. Euro. Während der FWF nur jeden fünften Antrag bewilligt, ist es beim SNF jeder zweite, „und wir sind stolz darauf, dass bei uns nicht vor allem für den Papierkorb gearbeitet wird“, betonte SNF-Vertreter Urs Baltensperger.

Dennoch erinnert manche Diskussion auch an Österreich: So hätte der SNF in den nächsten Jahren gerne ein knapp fünf Prozent höheres Budget jährlich, um die „schwierige Situation junger Wissenschafter“ durch Karrieremaßnahmen zu verbessern. Im Staatssekretariat verweist man dagegen auf die nahezu Verdoppelung der kompetitiven Forschungsförderung im vergangenen Jahrzehnt und ruft eine „Phase des Konsolidierens auf hohem Niveau“ aus.

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Völlig unterschiedlich ist hingegen die Förderung in der angewandten Forschung in den beiden Ländern. Dell‘Ambrogio verweist auf das „Verbot“, Steuergelder des Bundes an private Firmen zu vergeben. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass die Schweiz 0,9 Prozent ihres BIP für Grundlagenforschung aufwendet, Österreich dagegen nur 0,5 Prozent.

Die jährlich vom Bund mit rund 150 Mio. Euro ausgestattete Kommission für Technologie und Innovation (KTI) vergibt deshalb ausschließlich Fördermittel an Hochschulen und nicht an die Unternehmen, die sich allerdings durchaus Mittel bei den Kantonen holen können. Bei der vergleichbaren österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, mit 460 Mio. Euro vergebenen Fördermittel 2014 deutlich besser ausgestattet als die KIT, gibt es dagegen sehr wohl Bundesförderung für private Firmen. Die KTI fördert aber nicht nur Forschungsprojekte zwischen Hochschulen und Firmen (maximal 50 Prozent der Projektkosten, die an die Hochschule gehen), sondern auch Start-ups, etwa durch Beratung und Coaches.

Zudem besuchen jährlich bis zu 3.000 Studenten die von der KTI angebotenen Entrepreneur-Kurse. „Wir sind keine Start-up-Nation wie Israel oder die USA, aber es hat sich in den vergangenen 20 Jahren das Bewusstsein entwickelt, dass sich nicht nur das akademische, sondern auch das unternehmerische Bewusstsein als wichtiges Standbein für die Reputation einer Hochschule entwickelt hat“, sagte Mauro Moruzzi, Leiter des Bereichs Internationale Beziehungen im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Und auch hier verweist man darauf, dass es sich nicht um eine vom Bund vorgeschriebene Maßnahme handelt, sondern „dass die Unis das selbst erkannt haben“.


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