Neues Heim für Bienenhirten

Das einzige Bienenschutzgebiet Tirols bekommt heuer ein neues Zentrum. In Kauns entsteht ein Haus der Biene. Zudem stehen zwei große Feiern an.

Auf Initiative von Meinrad Falkeis entsteht in Kauns ein Haus der Bienen.
© Reichle, Partoll

Von Matthias Reichle

Kauns –Unverputzte Naturstein-Wände, niedrige Gewölbe, grob behauene Holzböden – dem Gemäuer sieht man die Jahrhunderte an. „Es diente früher als Pfarrstall“, erklärt Meinrad Falkeis, der durch die beiden Räume führt. Im Gebäude kamen einst die Tiere des Kauner Geistlichen unter. Zuletzt war vom ehemaligen landwirtschaftlichen Mehrzweckgebäude jedoch nicht mehr viel übrig. Es wäre verfallen, hätten sich nicht die Gemeinde und die Imker seiner angenommen.

Seit einigen Jahren wird darin emsig gewerkelt. Fast wie in einem Bienenstock – ein Bild, das passender nicht sein könnte. Im Rahmen des Interregprojekts „Qualifizierung Historische Handwerkstechniken“ wurde das Gebäude seit 2010 von der Gemeinde Kauns auf Initiative von Bürgermeister Bernhard Huter restauriert. Sie hat es von der Diözese auf 20 Jahre angemietet. Im ehemaligen Stall soll nun ein Haus der Bienen entstehen, erläutert Falkeis, der als Obmann des Bienenzuchtvereins Kauns-Kaunerberg-Kaunertal treibende Kraft hinter dem Bau ist. „90 Prozent wird in Eigenregie erledigt“, betont der „Bienenkönig“. Möglich sei das aber nur Dank der Unterstützung des Naturparks, der Gemeinden und des Tourismusverbands.

Das Gebäude, das künftig als Veranstaltungsraum, Museum, Treffpunkt und Schulungszentrum dienen soll, wird das neue Herz des Kaunertaler Bienen-Schutzgebiets.

Vor fünf Jahren haben die drei Gemeinden im Kaunertal dem Bienenzuchtverein ein besonderes Projekt ermöglicht. Auf ihrem Gebiet wurde eine Schutzzone ausgewiesen, in der nur die Braunelle fliegen darf.

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Dabei handelt es sich um eine alte und inzwischen vom Aussterben bedrohte Bienenrasse, die vor allem in den Alpen zu finden war. In den letzten Jahrzehnten war sie fast aus Tirol verschwunden. Um das Schutzgebiet noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, wird es heuer erstmals durch Tafeln auch sichtbar gemacht. Geschaffen werden diese vom gebürtigen Kauner Bildhauer Edwin Partoll, der in Holland tätig ist. Aus Bronze und Cortenstahl hat er große Bienensymbole gegossen, die künftig am Ortseingang auf die Braunelle hinweisen sollen.

Dank des Schutzgebiets erlebt die Imkerei in den Gemeinden einen regelrechten Boom. 24 Kauner, Kaunerberger und Kaunertaler Bienenhirten – unter ihnen besonders viele Jungimker – halten inzwischen eigene Völker. 400 sind es nach einem besonders harten Winter, der seine Opfer gefordert hat. „Es war das schlechteste Jahr seit Langem“, betont Falkeis. Jeder hat durch die Varoa-Milbe Bienen verloren. Bei ihm selbst haben von ursprünglich 74 Völkern 20 nicht überlebt.

Trotzdem gibt es heuer viel zu feiern. Es stehen nämlich zwei große Feste an. Am 18. Juli feiert der Bienenzuchtverein seinen 111. Geburtstag mit einem Imker-Huangart. Und am 11. Oktober soll die Tiroler Honigprämierung in Kauns abgehalten werden.


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