Deutsche-Bank-Chef Fitschen schweigt vor Gericht zunächst doch

München/Frankfurt (APA/Reuters) - Die mit Spannung erwarteten Stellungnahmen von Deutsche-Bank -Co-Chef Jürgen Fitschen und weiteren Angekla...

München/Frankfurt (APA/Reuters) - Die mit Spannung erwarteten Stellungnahmen von Deutsche-Bank -Co-Chef Jürgen Fitschen und weiteren Angeklagten im Münchner Betrugsprozess verzögern sich. Die Verteidiger der fünf Spitzenbanker, darunter Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer, warfen der Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Landgericht München vor, sie halte wichtige Unterlagen zurück.

Dies müsse zunächst geklärt werden. Das Gericht will sich am Nachmittag mit den Beanstandungen befassen.

Nach der Verlesung der Anklage vor einer Woche hatten die Verteidiger Erklärungen von Fitschen und Ackermann angekündigt. Breuer will zu den Vorwürfen vorerst schweigen. Laut Anklage sollen die Banker ein anderes Gericht belogen haben, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage des Medienmoguls Leo Kirch abzublocken und damit Kirch um sein Geld zu betrügen. Der Unternehmer, der 2011 starb, hatte die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines Firmenimperiums verantwortlich gemacht. Die Verteidiger haben die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen.

Fitschen werde sich nur unter einer Bedingung vor Gericht zu der Anklage äußern, sagte seine Verteidigern Barbara Livonius. Die Staatsanwaltschaft habe sich bei ihren Vorwürfen gegen Fitschen und die übrigen Angeklagten selbst widersprochen, monierte sie. „Vor der beabsichtigten Einlassung von Herrn Fitschen muss zweifelsfrei feststehen, worin die ihm zur Last gelegte Täuschung beruht.“

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Die Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft vor, sie halte unzulässigerweise Beweisdokumente zurück und behindere so einen fairen Prozess. Man könne nur rätseln, was für Informationen die Strafverfolger den Verteidigern verweigerten, sagte die Anwältin des früheren Bankchefs Josef Ackermann, Hellen Schilling. Die Ankläger wiesen die Vorwürfe zurück. „Die Staatsanwaltschaft hat niemals irgendwelche Aktenbestände zurückgehalten“, sagte Behördenvertreter Stephan Necknig.

Gerson Trüg, der ebenfalls Ackermann verteidigt, forderte sogar eine Ablösung der zuständigen Staatsanwältin Christiane Serini, die die Ermittlungen und die Anklage leitet. Weil Serini in dem Prozess auch als Zeugin eingeplant sei, könne sie ihre Aufgabe als Staatsanwältin nicht mehr unabhängig wahrnehmen. Serini ließ sich am Dienstag von zwei Kollegen vertreten - vor Gericht ein üblicher Vorgang. Über eine Ablösung eines Staatsanwalts entscheidet die Anklagebehörde selbst.

~ ISIN DE0005140008 WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm ~ APA267 2015-05-05/12:34


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