„Keine faulen Kompromisse, Schluss mit grünen Wochen“

Tirols Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer geht mit kräftigen Ansagen und ehrgeizigen Zielen in die neue Funktionsperiode.

© Thomas Böhm / TT

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Seit November 2004 – damals folgte er Hansjörg Jäger nach – ist Jürgen Bodenseer (68) Präsident der Wirtschaftskammer. Gestern wurde er vom Wirtschaftsparlament (von den 82 Mitgliedern sind 32 neu und die Hälfte davon auch neue Funktionäre) für eine weitere Periode gewählt. Seine Stellvertreter sind Oswald Mayr, Martin Felder, Martina Entner und Barbara Thaler.

In der neuen Funktionsperiode hat er, wie er gegenüber der TT ankündigte, einiges vor. „Die Botschaft ist ganz simpel: Es reicht!“ Es gebe Steuern, aber er sehe noch keine Reform, bei Bürokratie und Belastungen sei der Plafond erreicht, so Bodenseer.

Österreich habe die achthöchste Steuer- und Abgabenquote der Welt und die höchsten Transferleistungen innerhalb der EU und vielfach eine „Vollkasko-Mentalität“. Österreich sandle tatsächlich bei internationalen Rankings ab, weil es an wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen fehle. „Im Zweifel für die Wirtschaft, dieser Slogan von Ferdinand Eberle gilt heute weder in Österreich, das einmal als das bessere Deutschland tituliert wurde, noch in Tirol.“ Dabei sei die Wirtschaft mit fleißigen Mitarbeitern der Motor und Garant für den Wohlstand.

In Tirol seien ihm aus der jüngeren Vergangenheit nur grüne Themen und ein Nein für verschiedene Projekte, ob bei Seilbahnen oder Regelungen durch Natura 2000, in Erinnerung. „Ich kann nur hoffen, dass die grünen Wochen in Tirol bald vorbei sind.“ Die Zukunft ganzer Täler und Regionen stehe dabei mit auf dem Spiel.

Bodenseer kündigt an, Probleme und Namen klar anzusprechen, er werde auch keine faulen Kompromisse eingehen. Kuschelkurs werde es in den kommenden Jahren keinen geben. „Kämpfen ist angesagt wie bei Wirte-Demos, mit Flashmobs oder neuen Aktionen im Internet.“ In Sachen Sozialpartnerschaft träume er gerade mit Blick auf die veränderte Arbeitswelt von einem „reduzierten Klassenkampf und dafür ein Mehr an Zusammenarbeit“. Er selbst werde „berechenbar und unberechenbar, sehr unabhängig, sachlich, ehrlich und fair bleiben“, so Bodenseer.

In der Kammer selbst sei in Innsbruck und einigen Bezirksstellen modernisiert bzw. gebaut worden, nun folge eine Attraktivierung im Wifi. Der Mitarbeiterstab sei verjüngt und der Service ausgebaut worden. Stärker einbauen und als Turbo verwenden will Bodenseer die etwa 1200 Kammer-Funktionäre. In der Kommunikation nach außen will Bodenseer verstärkt auch auf neuen Kanälen wie Internet (etwa mit Videobotschaften) und sozialen Netzwerken aktiv werden. Mit Online-Umfragen sollen alle etwa 40.000 Mitglieder rasch mitentscheiden können. Die Zahl der Kammer-Veranstaltungen will Bodenseer auch aus Kostengründen senken. Billiger und unbürokratischer werden müsse auch die nächste Kammerwahl in fünf Jahren. Hier solle es eine attraktive Briefwahl geben.


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