Schubert soll die erste Geige spielen

In einer Woche beginnt die Boulder-EM in Innsbruck, die Medaillen-Hoffnungen hängen bei den Herren ganz an Jakob Schubert (24). Der Tiroler stapelt jedoch tief.

Kletter-Ass Jakob Schubert nützt die Freizeit, um auf den Innsbrucker Basketballplätzen seiner zweitliebsten Sportart nachzugehen.
© Andreas Rottensteiner / TT

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Auf dem Innsbrucker Basketballplatz geht Jakob Schubert auf dem ungewohnten Untergrund nicht nur wegen der grauen Kleidung als graue Maus durch. Nur wenige Passanten erkennen den Mann, der einige Meter entfernt auf den Litfaßsäulen hängt. Auf Plakaten, die hundertfach über die Stadt verteilt sind. Sie kündigen die Boulder-Europameisterschaft in Innsbruck an und damit auch den Auftritt des männlichen Aushängeschilds: Jakob Schubert. Der 24-jährige ist einer der weltbesten Kletterer. Und der einzige Österreicher, der um eine Medaille kämpft.

„Na ja, der Boulder-Star ist sicher die Anna. Und davor war es halt der Kilian (Fischhuber, Anm.)“, sagt Schubert und schiebt lieber die Tiroler Gold-Favoritin Anna Stöhr ins Rampenlicht. Doch so einfach ist das nicht.

Die Schlagzeilen hatte zuletzt der Innsbrucker Wirtschaftsstudent geschrieben: Nach seinem zweiten Vorstiegs-Gesamtweltcup-Titel 2014 meisterte er Ende des Vorjahres mit der „Fight or Flight“ seine erste 9b-Route und stieg damit endgültig in die Extraklasse der Felskletterer auf. Es sind Momente, für die er hart gearbeitet hat. Und es sind Momente, die ihm bei der Heim-EM vom 13. bis 16. Mai einen Stempel aufdrücken: Dieser Mann soll Innsbruck jubeln lassen.

Vor der Kulisse am Innsbrucker Marktplatzes will Jakob Schubert seine zweite EM-Medaille holen.
© elias holzknecht

Die Hoffnungen sind aber geschwächt aufgrund des Weges, den Schubert eingeschlagen hat. Im Vorjahr wegen einer Finger-Verletzung außer Gefecht gesetzt ließ der zweifache Boulder-Weltcupsieger die gesamte Boulder-Saison aus. Heißt also: Die EM wird sein erster internationaler Wettkampf ohne Seil nach 627 Tagen sein. Seit August 2013 beim Weltcup-Finale in München (GER), als Schubert ehrgeizig den Weltcup im Vorstieg und Bouldern angriff. Und am Ende „nur“ die Kombinationstrophäe mitnahm. „Ich bin etwa anderthalb Jahre keinen Boulder-Bewerb geklettert. Ich fühle mich gut und bin voll motiviert – das große Ziel ist das Finale“, meint Schubert. Die Erwartungen hält der EM-Bronze-Gewinner von 2013 bewusst niedrig, vor allem, weil er so wie alle ins Blaue klettert. Schubert: „Es ist der erste Wettkampf, das wird ganz speziell. Niemand weiß, wo er steht.“

Wo Schubert stehen will, das ist jedoch klar: Auf den Matten im Boulder-Weltcup. Schubert: „Ich werde bis zum Weltcup-Finale alle Bewerbe bestreiten. Und danach vielleicht mit dem Vorstieg weitermachen. Ich habe noch lange vor, meine ganze Zeit und Energie ins Klettern zu investieren. Dieser Sport wird nie langweilig.“


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