„Gorilla“ in Klangnebel: Forscher finden „Unaufmerksamkeitstaubheit“

Klagenfurt (APA) - Videos in denen sich eine Person im Gorillakostüm durch eine Gruppe Basketball spielender Menschen bewegt, kursieren imme...

Klagenfurt (APA) - Videos in denen sich eine Person im Gorillakostüm durch eine Gruppe Basketball spielender Menschen bewegt, kursieren immer wieder im Internet. Oft bleibt der Affe unerkannt, wenn der Betrachter vorher den Auftrag bekam, die Pässe zwischen den Spielern zu zählen. Der Versuch illustriert den Effekt der „Unaufmerksamkeitsblindheit“. Klagenfurter Forscher fanden diesen nun auch im akustischen Bereich.

Bekannt wurde der Effekt, der die begrenzte Informationsverarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns illustriert, unter anderem durch den klassischen Versuch mit dem Gorilla, den die beiden US-Forscher Christopher Chabris und Daniel Simons 1999 durchgeführt haben. Sabrina Lessiak, Bartosz Gula und Oliver Vitouch vom Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt haben in ihrem Versuchsaufbau nun eine Art „Gorilla“ in ein Musikstück eingebaut. Damit untersuchten sie das Phänomen der „Unaufmerksamkeitstaubheit“.

In ihrer Studie hörten mehr als 100 Versuchsteilnehmer eine Modifikation des Stückes „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. Eine Gruppe sollte die Anzahl der Paukenschläge zählen, während die zweite keine solche Anweisung erhielt. In die ersten eine Minute und 50 Sekunden des Werkes haben die Forscher ein 20 Sekunden langes E-Gitarrensolo eingebaut, das sozusagen das akustische Pendant zum Gorilla darstellte.

Es zeigte sich, dass lediglich 43 Prozent der Hörer, die auf die Paukenschläge hören sollten (Versuchsgruppe), das Gitarrensolo wahrnahmen. In der zweiten Gruppe (Kontrollgruppe) bemerkten hingegen 81 Prozent den akustischen „Gorilla“. Die Wissenschafter unterschieden aber auch zwischen musikalisch vorgebildeten Hörern und Laien. Über die Versuchs- und Kontrollgruppe hinweg nahmen 48 Prozent der musikalischen Laien das Solo wahr. Die Wahrscheinlichkeit erhöhte sich auf 75 Prozent bei Musikern. Die musikalische Vorbildung und Vertrautheit mit dem konkreten Stück erhöhte laut den Forschern um Sabrina Lessiak die Chance, den „Gorilla“ zu erkennen.

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Dass sich das Phänomen auch bei Musikern zeigte, sei „überraschend“, wie Lessiak der APA erklärte. Auch bei einer zweiten Einspielung des gleichen Teils des Stückes, bei der das Solo noch klarer und lauter zu hören war, verschwand der Effekt nämlich nicht vollständig.

(S E R V I C E - Die Publikation im Internet (Abstract): http://dx.doi.org/10.1007/s00426-014-0552-x)


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