Dem Klimawandel begegnen, statt durch ihn unterzugehen

Der Klimawandel macht Bauern in Südindien schwer zu schaffen. Eine Fairtrade-Managerin erzählt, wie man diesen Herausforderungen standhält.

© Caritas

Von Gabriele Starck

Innsbruck –Es gilt nicht mehr, was die Alten überliefert haben und was Generation für Generation weitergegeben wurde. „Das Leben der Farmer ist unglaublich schwierig geworden, denn die jahreszeitlich festgelegten Anbaupraktiken funktionieren nicht mehr“, sagt Shoba Nayar, Fair­trade-Regionalmanagerin für Asien. Sie seien dem Klimawandel schutzlos ausgeliefert.

Die Agrarwirtin, die im April auf Einladung des Welthauses in Tirol war (siehe Factbox), sieht Jahr für Jahr, wie die Bauern – allen voran die Baumwollproduzenten – ihr Saatgut ausbringen und dann vergeblich auf Regen warten. Drei Wochen später ist das Saatgut im Boden verdorrt. Manche Bauern nehmen dann Kredite auf, um neues Saatgut zu kaufen. Und wenn dann doch irgendwann der Regen kommt, dann ist er so stark, dass er alles wieder wegschwemmt oder später gar die zum Trocknen ausgelegte Ernte zerstört, erzählt Nayar. Die Verschuldung treibe dann viele in den Suizid.

Zudem trage der kurze, aber starke Regen die fruchtbare Erdschicht ab. Und die Erdrutsche zerstörten wiederum die Infrastruktur. „Einige treffen dann auch die Lagerhäuser und reißen neuerlich die Ernte oder das Saatgut mit.“ Die überaus heißen Sommer ließen im Gegenzug die Pflanzen austrocknen und die Schädlingszahlen explodieren. „Das vergangene Jahr etwa war das heißeste des Jahrhunderts und das allerschlimmste“, sagt sie.

Doch jammern nütze nichts. „Wir müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen“, betont die 40-Jährige. Genau das werde mit dem Fairtrade Programm Indien getan. Da werden Solarmodule und Biogasanlagen installiert und Regenwassersammelteiche gegraben, Murenstriche verbaut und Hänge zu deren Befestigung bepflanzt. Vor allem aber schule man die Landwirte und mache ihnen klar, „dass es auch ihnen nützt, wenn sie ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern, also umweltfreudlicher produzieren“.

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83 Landwirte sind bereits Teil von Fairtrade Indien. Dazu müssen sie nicht nur die Standards für die Zertifizierung erfüllen, sie müssen für ihr Produkt auch einen Absatzmarkt vorweisen können oder sie schaffen durch Nachfrage welche. „Ein Bauer etwa hatte Trauben angepflanzt und dafür einen britischen Abnehmer gefunden. Inzwischen ist der Traubenanbau ein recht einträgliches Geschäft geworden.“ Die Absatzmärkte seien zwar noch immer fast ausschließlich im Ausland, aber nach und nach fänden sich auch Märkte in Indien selbst, erzählt Nayar stolz.

Für das verkaufte Produkt erhalte der Produzent eine Prämie – entweder die Bauern selbst oder bei großen Plantagen die Arbeiter. Aber nicht nur deshalb seien sie dabei. „Viele bemerken mit der Zeit, dass es sich für sie auch abseits der Prämie auszahlt, ökologisch zu wirtschaften“, sagt Nayar. Auch weil die Regierungen einiger Bundesstaaten in Indien ebenfalls umdenken und sich als grüne Regionen profilieren wollen.

Die Agrarwirtin stimmt diese Entwicklung optimistisch. Die Menschen erwachten zusehends, meint sie, und das Bewusstsein für die Notwendigkeit, nachhaltiger zu wirtschaften, sei stark gestiegen.


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