Jemen - UN fordern Feuerpause - Kritik an Beschuss von Flughäfen

New York/Sanaa (APA/dpa) - Die Vereinten Nationen haben das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis zu einer Feuerpause im Jemen aufgerufe...

New York/Sanaa (APA/dpa) - Die Vereinten Nationen haben das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis zu einer Feuerpause im Jemen aufgerufen. „Ich fordere die Koalition nachdrücklich dazu auf, den Beschuss des Flughafens in Sanaa einzustellen“, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Johannes van der Klaauw, am Montag (Ortszeit) in New York.

Es sei unabdingbar, „diese wichtige Versorgungsader - ebenso wie alle anderen Flughäfen und Häfen - zu erhalten“, fügte er hinzu.

Im Jemen kämpfen die schiitischen Houthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Houthis. Bei den Kämpfen und Luftangriffen wurden seitdem nach UN-Angaben vom Dienstag 646 Zivilisten getötet und 1364 weitere verletzt.

Zuletzt hatten saudische Kampfjets den zivilen Flughafen der Hauptstadt Sanaa angegriffen. Mehrere Verkehrsflugzeuge und Cargo-Maschinen wurden am Boden zerstört, berichteten Augenzeugen. Für den Flugverkehr ist der Airport wegen der Kämpfe seit Wochen gesperrt.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe. „Der Jemen ist fast vollständig auf die Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten angewiesen“, erklärte der Rot-Kreuz-Teamleiter Cedric Schweizer am Dienstag. „Der Flughafen von Sanaa war ein wesentlicher Teil der zivilen Infrastruktur und die wichtigste Lebensader für die notwendigsten humanitären Güter und Hilfsleistungen.“ Schweizer leitet derzeit im Jemen ein Team des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mit 250 Mitarbeitern.

Saudi-Arabien hatte am Montag angedeutet, dass es eine humanitäre Feuerpause in Erwägung ziehe. Konkrete Schritte folgten dieser Erklärung jedoch nicht. Riad scheint seine Bemühungen darauf zu konzentrieren, den Flughafen der südjemenitischen Metropole Aden freizukämpfen und wieder funktionsfähig zu machen.

Darauf deutete zuletzt die Landung eines Kontingents jemenitischer Soldaten in Aden hin, die in Saudi-Arabien ausgebildet wurden. Aden wird weitgehend von Hadi-treuen Milizen kontrolliert, während in Sanaa die Houthis und ihre Verbündeten das Heft in der Hand haben. Zuletzt waren die schiitischen Aufständischen in Aden eingedrungen, konnten aber mit saudischer Luftunterstützung zurückgedrängt werden.

Die völlige Kontrolle über den Flughafen von Aden würde es Riad ermöglichen, die Hilfslieferungen zu überwachen und gegebenenfalls für die eigenen strategischen Ziele zu instrumentalisieren. Zusammen mit seinen arabisch-sunnitischen Verbündeten blockiert Saudi-Arabien die Meereszugänge zum Jemen.

Im ärmsten arabischen Land führte dies vor allem zu einer Verknappung von Benzin. In einigen Provinzen habe dies inzwischen bewirkt, dass die UN-Partner keine Nahrungsmittel an Bedürftige mehr ausliefern können, hieß es in einer Mitteilung der Weltorganisation.

Der Senegal wird indes der saudischen Koalition 2.100 Soldaten zur Verfügung stellen, wie der senegalesische Außenminister Mankeur Ndiaye am Montagabend in Dakar ankündigte. Das westafrikanische Land mit muslimischer Bevölkerung unterstreiche damit seine Bindungen an Saudi-Arabien als „Heimstätte der beiden heiligsten Orte des Islam“ - Mekka und Medina -, sagte Ndiaye nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur APS.

Die Entsendung des Kontingents erfolge auf Ansuchen Riads. Dabei gehe es auch um die „Abwendung einer terroristischen Gefahr“. Wo die senegalesischen Soldaten eingesetzt werden sollen, ist nicht klar. Bisher hat die saudische Koalition keine fremden Truppen in den Jemen geschickt.

~ WEB http://www.un.org/en/ ~ APA388 2015-05-05/14:31


Kommentieren