Wunderkind hält Versprechen

Heute vor hundert Jahren wurde Orson Welles, der große Meister des Kinos, geboren.

© Studiocanal

Innsbruck –Der US-Verleger und Medientycoon William Randolph Hearst versuchte vergeblich, die Fertigstellung von Orson Welles’ Film „Citizen Kane“ zu verhindern. Hearst startete eine Medienkampagne gegen den „Kommunisten“ und den Streifen, der in Rückblenden Lebensstationen des fiktiven – und freilich an Hearst angelehnten – Medientycoons Charles Foster Kane Revue passieren lässt. Hearsts Kampagne, die u. a. über sämtliche seiner Zeitungen lief, hatte 1941 wohl nicht geringen Anteil am kommerziellen Misserfolg des Streifens. Der Film, der heute als Meilenstein des Kinos gefeiert wird und bei Kritikern als einer, wenn nicht gar der beste Film aller Zeiten gilt, wurde damals mit Skepsis aufgenommen. Damals wie heute wird in Fachkreisen aber auch darüber gemunkelt, dass Kameramann Gregg Toland der eigentliche Regisseur des Films gewesen sei. Schließlich stand Welles, von dem das Drehbuch stammte und der die Hauptrolle spielte, bei seinem ersten Kinofilm unter enormem Druck. Die Produktionsfirma hatte das „Wunderkind“ nach dem Erfolg des Radiohörspiels „Krieg der Welten“ engagiert.

Welles, der am 6. Mai 1915 als Sohn einer Pianistin und eines Erfinders geboren wurde, hatte bereits als 16-Jähriger mit Bravour am Theater debütiert. Als er mit 23 Jahren das berühmteste Hörspiel der Geschichte produzierte, lag bereits eine vielversprechende Karriere als Broadway-Produzent hinter ihm. Ob „Krieg der Welten“, ein Hörspiel, das vom Überlebenskampf der Menschheit gegen angreifende Marsianer handelte, tatsächlich eine Massenpanik auslöste, sei dahingestellt. Tatsächlich sollen einige besorgte Anrufe bei der Polizei eingegangen sein.

Nach dem Misserfolg von „Citizen Kane“ schien Welles’ Karriere beendet, da war er 26 Jahre alt. Freilich sollte er sein vielseitiges Genie noch mehrfach unter Beweis stellen. „Othello“ und sein Auftritt in der „Der dritte Mann“ sind legendär. Die letzten 15 Jahre seines Lebens arbeitete er an seinem letzten Film „The Other Side of the Wind“. Eine überarbeitete Fassung des mutmaßlichen Meisterwerks soll heuer fertiggestellt werden. (sire)

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