Stefan Abermann: Wortspieler und Sprachjongleur

Stefan Abermann lebt seit rund einem Jahr von seinen Auftritten als Poetry Slammer und Autor. Humor und Sarkasmus als Geschäftsmodell.

© Ernst Spreng

Von Ernst Spreng

Innsbruck –16 Paar Schüleraugen starren gebannt auf die Tafel. Was mag der fremde Mann, der als Poetry Slammer vorgestellt wurde, nun erzählen? Stefan Abermann nimmt sein Klemmbrett mit Texten und beschreibt, wie er als Achtjähriger einen Polizisten dazu gebracht hat, beim Verkehrsunterricht schlussendlich die Waffe zu ziehen und die Schüler zu bedrohen. Alles rein fiktiv. Mit seinen Poetry-Slam-Texten lockt Abermann schnell ein Lachen auf die Gesichter der Kinder und kann sich sicher sein: Das Publikum ist auf seiner Seite.

TT-Berufsporträt

Voraussetzung: Sprachgefühl, Witz im Umgang mit Worten und Bühnenpräsenz sind aber besonders wichtig.

Ausbildung: Es gibt natürlich keine klassische Ausbildung zum Poetry Slammer. In der „Bäckerei“ in Innsbruck gibt es regelmäßig Workshops für den Einstieg in das Poetry Slammen. Infos unter: www.diebaeckerei.at

Abermann ist seit vielen Jahren in der wachsenden Poetry-Slam-Szene unterwegs und zählt zu den besten Österreichs. Aber erst vor rund einem Jahr hat es sich dazu entschlossen, von seinen Texten und Auftritten bei Lesungen und Poetry Slams auch zu leben. Und zwar ausschließlich. Diesen Schritt hat Stefan Abermann nicht bereut. „Natürlich steckt da ein wirtschaftliches Risiko dahinter, wenn du dich entscheidest, deinen Lebensunterhalt als Poetry Slammer zu verdienen. Meiner Psyche hat diese Konzentration auf meine Leidenschaft aber unheimlich gut getan“, erklärt Stefan Abermann. Er schwärmt davon, dass er in diesem Jahr als selbstständiger Autor mehr geschrieben hat als in den fünf Jahren zuvor. Hinter dem Schritt, von seinen Texten und Auftritten zu leben, steckt aber auch ein wirtschaftliches Konzept. „Ich habe mich nicht hingesetzt, zu schreiben begonnen und habe jeglichen so genannten anständigen Beruf hinter mir gelassen. Es war ein langer Entscheidungsprozess und ich habe viel gerechnet, ob sich das wirklich ausgeht“, meint der Innsbrucker Poetry Slammer.

Dazu gehört auch, dass Stefan Abermann sein Wissen um die rhythmischen Texte gerne an andere weitergibt. In Workshops zeigt er, wie ein Poetry-Slam-Text funktioniert, wie man ihn schreiben kann und was nötig ist, um das Publikum mit diesen Alltagsgeschichten abzuholen. „Poetry Slams sind in und kommen gut an, das hat mir und der ganzen Szene in den vergangenen Jahren sehr geholfen“, ist Abermann überzeugt.

Ist der Innsbrucker bei seinen Workshops mit Feuereifer dabei, so sind es dann seine abendlichen Auftritte, die für ihn das Salz in der Suppe sind. „Etwas vorzulesen, auf der Bühne zu stehen, die eigenen Texte einem Publikum zu präsentieren – das ist für mich schon etwas ganz Besonderes“, meint der Poetry Slammer. Und durch den Schritt zu Selbstständigkeit denkt Abermann auch noch etwas weiter. „Ein nächstes Buch oder ein neues Theaterstück – das sind sozusagen meine nächsten Entwicklungsschritte für das Ein-Mann-Unternehmen Abermann“, erklärt er und lacht zufrieden. Sein erstes Buch „Schatzkästlein des reinlichen Hausfreundes“ ist schon auf dem Markt, am nächsten Buch wird zwischen Workshop-Terminen und Auftritten intensiv gearbeitet. „Den Humor und Zynismus meiner Poetry-Slam-Texte versuche ich auch in meinen Büchern einzuarbeiten. Ich hoffe, es gelingt“, meint der Innsbrucker und stürmt im Stechschritt eines Achtjährigen beim Verkehrsunterricht wieder zurück zu seinem Workshop mit 16 begeisterten Schülern.

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