Israelischer Experte: Assads Armee immer mehr in Bedrängnis

Ein Regimekommandat soll in Aleppo verzweifelt um Munition gebettelt haben.

Ein Panzer der syrischen Armee in Aleppo.
© Reuters

Damaskus/Jerusalem – Die Armee von Syriens Präsident Bashar al-Assad befindet sich nach Ansicht israelischer Beobachter in immer größer werdender Bedrängnis. Selbst die Munition für die Bewaffnung der Soldaten scheine knapp zu werden, schrieb der Islam-Experte Yaron Friedman am Dienstag auf der israelischen Nachrichtenseite ynet.

Er berief sich dabei auf ein im Internet aufgetauchtes Video, in dem der syrische Spitzenkommandant Suhail al-Hassan telefonisch aus Aleppo Damaskus verzweifelt um Munition bittet. Al-Hassan habe auch den Einsatz der berüchtigten Fassbomben angeordnet und gehe gegen die Rebellen stets so vor, dass die von ihnen gehaltenen Gebiete weitgehend zerstört werden, so Friedman.

Schwächen erstmals im Sommer 2014 sichtbar

Nach Darstellung des israelischen Experten wurde die Schwäche der syrischen Armee erstmals im Sommer 2014 offensichtlich. Damals hätten sich Rebelleneinheiten im Süden des Landes zusammengeschlossen und die Kontrolle über den Großteil der Golanhöhen auf syrischer Seite, in der Provinz Quneitra, übernommen. Im Winter habe sich die Al-Nusra Front mit sechs anderen Oppositionsgruppen zur „Jaish al-Fatah“ vereinigt und die syrische Armee aus großen Teilen der nordwestlichen Provinz Idlib vertrieben.

Verantwortlich für diese Entwicklung sei nicht zuletzt die Wirtschaftskrise in Syrien, die sich wegen der Sanktionen gegen Russland und den Iran - den wichtigsten Unterstützern der syrischen Armee - noch verstärkt habe, so Friedman. Die durch Saudi-Arabien erzwungene Ölpreissenkung habe der syrischen Wirtschaft zusätzlich geschadet. Nun könne das Regime seine Soldaten nicht mehr mit ausreichend Munition und Treibstoff versorgen. Dazu komme, dass die Luftschläge der US-geführten Allianz gegen die Terrormiliz IS anderen sunnitischen Rebellengruppen ermöglichten, ihre Angriffe auf die Truppen des Regimes im Westen des Landes zu fokussieren.

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Assads Armee sei aufgrund der Gebietsverluste gezwungen, ihre Truppen in der Umgebung von Damaskus zu konzentrieren. Den Golan überlasse sie der verbündeten libanesischen Hisbollah, schrieb Friedman unter Berufung auf arabische Medien. Sollte sich die syrische Armee weiter zurückziehen, werde der Iran sein Engagement in der Region verstärken. Die Hisbollah werde keine andere Wahl haben, als viele ihre Kämpfer in die Schlacht gegen syrische Rebellen zu werfen. Und möglicherweise werde die Organisation auf ihr umfangreiches Raketenarsenal zurückgreifen müssen, das sie eigentlich für einen anderen Zweck angelegt habe - nämlich um Israel ins Visier zu nehmen. (APA)


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