Vorbei am Fachchinesisch hin zur brauchbaren Sonnencreme

Die wärmere Jahreszeit macht es wieder dringend nötig, sich vor der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne zu schützen. Ohne Fachwissen ist das für Konsumenten aber gar nicht so einfach.

Von Markus Schramek

Innsbruck –Ach, was muss man oft von glamourösen Sonnencremes hören oder lesen. Frei nach Wilhelm Busch werfen wir heute einen Blick auf das, was die Kosmetikindustrie in Tuben, Spendern, Sprays oder sonstigen Behältnissen verpackt und als Sonnenschutz zum Kauf anbietet. Oft für teures Geld und mit trendigen Abkürzungen auf der Packung, die gut klingen, einem Laien aber herzlich wenig sagen.

Konrad Brunnhofer vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) hilft uns, das cremige Fachchinesisch einzudeutschen. Der Experte klärt darüber auf, worauf es beim Schutz vor schädlicher UV-Strahlung der Sonne wirklich ankommt.

1LSF und SPF und IP. Eines dieser Kürzel steht auf fast jeder Sonnencreme. Und schon sind wir mitten drin im Dschungel der Unverständlichkeit. LSF bedeutet Lichtschutzfaktor auf Deutsch, SPF dasselbe auf Englisch (sun protection factor) und IP (indice de protection) ist die französische Variante.

Jetzt heißt es rechnen. Eine Creme mit dem passenden LSF zu wählen, ist wichtig. Konrad Brunnhofer: „Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer verfügt über 20 Minuten Eigenschutz gegen die UV-Strahlen der Sonne. Verwendet er eine Sonnencreme mit LSF 20, ist er 400 Minuten geschützt.“ Das ergibt sich aus der Formel 20 (Minuten Eigenschutz) mal 20 (gewählter Lichtschutzfaktor).

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2Frage der Haut. Menschen mit heller Haut, die wenig oder gar nicht braun werden, haben einen Eigenschutz von zehn Minuten und weniger. Sie sind mit LSF 20 also maximal 200 Minuten geschützt (Formel: 10 mal 20). Für solche Menschen bietet sich ein höherer LSF (30 bis 50) an.

3Sonniges Tun und Lassen. Für Hauttypen aller Art gilt: nachcremen nicht vergessen und die Mittagssonne meiden. Babys sollten gar nicht in die direkte Sonne.

UV-Schutz bieten überdies blickdichte, dunkle Kleidung sowie Sonnenbrillen und entsprechende Cremes auch für die Lippen. Brunnhofer: „Ein Sonnenbrand ist unbedingt zu vermeiden. Die Haut merkt sich jeden.“ Die gesundheitlichen Folgen können schwerwiegend sein und bis hin zum Hautkrebs reichen.

4Alte Cremes okay? Im Bad stehen die Restln der Sonnencreme vom Vorjahr. Soll man diese aufbrauchen? Brunnhofer rät dazu, die eigene Nase entscheiden zu lassen. „Riecht die Creme komisch oder zerfällt sie schon in ihre Bestandteile wie Öl und Wasser, ist sie hinüber.“

5Spray oder Creme? Sonnencremes mit Sprayaufsatz sind beliebt, weil sie das Eincremen, etwa von Kindern, beschleunigen. Brunn- hofer rät davon aber ab: „Sprays sind dünnflüssig. Eine ausreichend dicke Schicht auf der Haut ist damit viel schwerer zu erreichen als mit einer herkömmlichen Creme.“

6Logisch – dermatologisch. „Dermatologisch getestet“, verheißen die Etiketten vieler Sonnencremes. Brunnhofers Kommentar dazu fällt kurz und bündig aus: „Das dient ausschließlich Werbezwecken und ist eine Selbstverständlichkeit.“ Klarerweise müssten Cremes auf ihre Hautverträglichkeit geprüft werden, bevor sie in Umlauf gelangen dürfen.

7Allergie oder wie? Ähnlich kritisch sieht der VKI-Experte den Hinweis „allergiegetestet“ auf manch einem Etikett. „Man kann ein Produkt ja nicht auf sämtliche Allergien testen“, sagt Brunn- hofer. Ein solcher Hinweis erfolge daher erneut rein aus Marketingüberlegungen.

In dieselbe Kategorie fällt auch das Bekenntnis, ein Produkt sei „ohne Tierversuche“ hergestellt worden. Denn Tierversuche sind für die Herstellung von Grundstoffen kosmetischer Produkte ohnehin verboten.


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