Augusta: Hafen der Hoffnung für verzweifelte Flüchtlinge

Catania (APA) - Für Zehntausende Flüchtlinge, die nach schauderhaften Fahrten über das Mittelmeer Sizilien erreichen, ist Augusta der Hafen ...

Catania (APA) - Für Zehntausende Flüchtlinge, die nach schauderhaften Fahrten über das Mittelmeer Sizilien erreichen, ist Augusta der Hafen der Rettung und der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. In diesem Hafen, 20 Kilometer von der Stadt Syrakus (Siracusa) an der Ostküste Siziliens entfernt, sind 45.000 der 170.000 Flüchtlinge gelandet, die 2014 in Italien eingetroffen sind.

Syrakus reagiert mit Solidarität auf die Not tausender verzweifelter Migranten auf der Flucht vor Krieg und Not. In der Antike war Syrakus über mehrere Jahrhunderte lang die größte und mächtigste Stadt Siziliens und dessen kulturelles Zentrum. Marcus Tullius Cicero beschrieb sie als „die größte und schönste aller griechischen Städte“. Erst seit dem Sommer 2013 ist Syrakus massiv mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert. Zuvor landeten die Flüchtlinge mehrheitlich auf Lampedusa, sowie in Pozzallo am südlichsten Zipfel Siziliens.

Im ersten Halbjahr 2013 waren in Augusta noch lediglich 700 Migranten eingetroffen. In der zweiten Jahreshälfte 2013 waren es schon 15.000. Im Jahr 2014 wurde ein Rekord von 45.000 Ankünften verzeichnet. „Das ist eine wahrhaftige Explosion: In wenigen Monaten ist der Hafen Augusta zum bedeutendsten Landungspunkt für Flüchtlinge in ganz Europa aufgerückt“, berichtet der Präfekt von Syrakus, Armando Gradone, im Gespräch mit der Grünen-Chefin Eva Glawischnig, die sich am Dienstag und Mittwoch gemeinsam mit dem Grünen EU-Abgeordneten Michel Reimon auf Sizilien ein Bild der Flüchtlingsproblematik machte.

Schiffe der italienischen Marine, die bis zu 2.000 Migranten an Bord nehmen können, landen fast täglich in Augusta, das aus logistischen Gründen zum wichtigen Hafen im Rahmen der Rettungsmission „Mare Nostrum“ und später des EU-Grenzschutzeinsatzes „Triton“ avanciert ist. Der Meeresboden ist hier tiefer als anderswo auf Sizilien. Außerdem ist Augusta Hauptquartier der italienischen Marine für Sizilien und Kalabrien. Dadurch wurde dieser Hafen zum Knotenpunkt für alle Schiffe, die im Mittelmeer Flüchtlinge retten.

Zwischen Juni 2013 und Dezember 2014 wurden 230 Ankünfte von Schiffen mit Migranten an Bord gemeldet. „Das bedeutet durchschnittlich eine Ankunft alle zweieinhalb Tage. Allein am Dienstag sind 650 Menschen in Augusta gelandet, 4.000 Flüchtlinge wurden am letzten Wochenende im Mittelmeer gerettet. Der tägliche Einsatz von Freiwilligen des Zivilschutzes, des Roten Kreuzes, von Menschenrechtsorganisationen, der Gesundheitsbehörden und der Sicherheitskräfte ist enorm. Hunderte Menschen versuchen täglich, das Leiden der Migranten zu lindern und ihnen Ersthilfe zu leisten“, berichtet der Präfekt, der im Auftrag des Innenministeriums auf lokaler Ebene die Hilfsaktion koordiniert.

Die Herausforderung, sich mit einer stets zunehmenden Flüchtlingswelle zu konfrontieren, wird für Syrakus und seinen Hafen von Woche zu Woche größer. Mit 200.000 Flüchtlingen rechnet die italienische Regierung im Gesamtjahr 2015. „Was hier in Augusta geleistet wird, ist ein wahres Wunder. Die Kräfte, die hier für die Flüchtlinge im Einsatz sind, sind keine Militärs, sondern Freiwillige, die täglich mit der enormen Not der Migranten umgehen müssen. Diesem Einsatz Kontinuität zu sichern, ist für uns die wahre Herausforderung“, meint Gradone.

Der Präfekt hofft auf Hilfe aus Europa. „Wir brauchen zusätzliche Kräfte. Seit über zwei Jahren sind wir im Dauereinsatz, wir müssen dafür sorgen, dass unsere Freiwilligen aufatmen können. Es ist wichtig, eine Struktur aufzubauen, die die Arbeit der Freiwilligen vor Ort erleichtern kann. Die Zusammenarbeit mit anderen EU-Ländern ist vor allem nach der Phase der Ersthilfe und Identifizierung der Migranten notwendig. Die meisten Flüchtlinge wollen nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen. In Syrakus können wir nicht mehr als 600 Migranten unterbringen. Wenn tausende Flüchtlinge eintreffen, müssen wir sie wegführen und auf andere Regionen Italiens verteilen“, so Gradone.


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