Energie-Experten: Gas-Unabhängigkeit von Russland käme teuer

Wien/Moskau (APA) - Die EU von russischem Gas unabhängig zu machen, sei zwar politisch erwünscht, aber ökonomisch nicht sinnvoll und müsste ...

Wien/Moskau (APA) - Die EU von russischem Gas unabhängig zu machen, sei zwar politisch erwünscht, aber ökonomisch nicht sinnvoll und müsste teuer bezahlt werden - darüber waren sich die Experten beim „Energie Talk“ der Energie Allianz Autria (EAA) am Dienstagabend in Wien einig.

Natürlich wäre es möglich, auf russisches Gas zu verzichten, meinte etwa Harald Stindl, Geschäftsführer der OMV-Tochter Gas Connect Austria - aber nur mit hohem finanziellem Aufwand. „Können kann man schon, aber sollen soll man nicht.“

Ähnlich sieht das auch die Energieexpertin Kirsten Westphal von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). „Wir müssen uns klarmachen, dass wir diversifizieren können, aber dann brauchen wir einen Konsens innerhalb der EU und dann wird es auch teurer.“ Eine Abkehr vom billigen russischen Gas hätte „negative Konsequenzen im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit“ und beim Klimaschutz, nämlich wenn man verstärkt von Gas auf Kohle umsteigen sollte, warnte Westphal.

„Macht es überhaupt Sinn, sich von Russland unabhängiger zu machen?“, fragte Johannes Pollak, Abteilungsleiter für Politikwissenschaften am IHS. Und er gab auch selbst die Antwort: „Ökonomisch macht es überhaupt keinen Sinn.“ Zwar gebe es theoretisch die Möglichkeit, das russische Gas durch LNG (Flüssigerdgas) zu ersetzen, aber „die Amerikaner werden uns kein LNG liefern, außer zu einem Preis, wo wir eher wieder den Wienerwald schlägern werden, als dass wir dieses Gas verwenden“.

Auch politisch wäre ein Verzicht auf russisches Gas nicht sinnvoll, meinte Westphal. „Wenn wir auch die stabilen Wirtschaftsbeziehungen verspielen, dann haben wir auch den letzten Kanal gekappt, um dann auch wieder mit Russland ins Gespräch zu kommen“, so die Politologin. „Davor würde ich sehr, sehr warnen.“ Dem stimmte auch Pollak zu: Gegen Russland etwas zu unternehmen, mache auch geopolitisch keinen Sinn, „gegenseitige Abhängigkeit erhöht die Sicherheit“.

Davon, dass die Gasversorgung Europas gefährdet sei, könne gar keine Rede sein, meinten die Experten. „Wir haben einen sehr großen Gap zwischen der politischen Wahrnehmung oder dem politischen Trommelwirbel, den es gibt, und der eigentlichen Versorgungslage“, sagte Pollak. Es habe auch während der aktuellen Ukraine-Krise nie eine Lieferunterbrechung gegeben, bestätigte Stindl. Von Oktober bis Ende April dieses Jahres habe das Liefer-Minimum nach Österreich 1,6 Millionen Kubikmeter pro Stunde betragen. „Und Österreich hat einen Durchschnittsverbrauch von einer Million.“ Die EU-Kommission habe Ende 2014 Stresstests gemacht - mit dem Ergebnis, dass Österreich nur dann eine Beeinträchtigung gehabt hätte, wenn über die Ukraine sechs Monate lang überhaupt kein Gas geliefert worden wäre, und wenn es einen sehr kalten Winter gegeben hätte.

Was die diskutierte „Energieunion“ der EU-Länder angeht, zeigten sich die Experten sehr skeptisch. „Wir haben eigentlich noch überhaupt keine Ahnung, was denn diese Energieunion beinhalten soll“, sagte Pollak.

Klar ist für Pollak, dass Erdgas im europäischen Energiemix eine viel größere Rolle spielen sollte. Die Förderpolitik für erneuerbare Energien wie Windkraft sei „absurd“. Stattdessen sollte man überlegen, Gas zu subventionieren, „wenn man wirklich ein Klimaanliegen hat“.

~ WEB http://www.energieallianz.at

http://www.gazprom.com/ ~ APA071 2015-05-06/08:30


Kommentieren