Der Tag, an dem Weltmeister Fittipaldi Nein sagte

Selbst der Boykott durch Weltmeister Fittipaldi konnte vor 40 Jahren nicht das Leben von fünf Menschen beim F1-Rennen in Barcelona retten.

Nach der Begehung entschied sich Weltmeister Emerson Fittipaldi (r.) – hier neben Niki Lauda (Ferrari) – gegen einen Start in Barcelona.
© imago sportfotodienst

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Sicherheit und Formel 1 – das war bis Mitt­e der 60er-Jahre ein Widerspruch in sich. Erst mit dem Tod des britischen Doppelweltmeisters Jim Clark (1968) befand sich die Königsklasse in einer Schockstarre. Das Sterben ging jedoch noch 26 Jahre weiter, ehe Ayrton Sennas tragischer Tod die Wende brachte. Im Jahr 1975 in Barcelona nützte aber selbst der Boykott durch den amtierenden Weltmeisters Fittipaldi (BRA) nichts.

Der technische Fortschritt in der elitären Rennklasse schien sich in den 70er-Jahren förmlich an den Spitzengeschwindigkeiten der Boliden zu orientieren. Was allerdings auf der Strecke blieb, waren die Sicherheitsvorkehrungen an den Kursen. Der Automobilverband FIA schob die immer wieder auflammenden Diskussionen schnellstmöglich vom Tisch: Wer Angst um sein Leben hätte, der sollte doch einfach weniger schnell fahren.

Heckflügel und erhöht­e Kurvengeschwindigkeiten auf der einen Seite, schlecht montierte Leitplanken und Feuerunfälle auf der anderen Seite. Der einstige FIA-Präsident Max Mosley (1993–2009) fasste treffend zusammen: „In den ersten Runden waren die vollgetankten Autos fahrende Bomben. Die Fahrer trugen keine Sicherheitsgurte, weil sie lieber aus dem Auto geschleudert werden wollten.“

Die Stars reagierten, begannen mit Boykotts. So wie Fitti­paldi vor 40 Jahren in Barcelona. In der Zeit drehten die Raketen auf vier Rädern ihre Runden auf dem Stadtkurs am Hausberg Montju ï c. Der knapp vier Kilometer lange Kurs führte durch eine bewaldete Parklandschaft inmitten eines Wohngebiets. Die Leitplanken waren mehr zusammengehängt als -geschraubt.

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Ein erster Trainingsboykott führte dazu, dass die Mechaniker der Teams mit einigen Helfern an den Begrenzungen Verbesserungen durchführten. Zugleich drohte der Veranstalter den Stars mit Klagen. Das wirkte. Nicht aber bei Fittipald­i. Der Brasilianer reist­e verfrüht ab.

Und er sollte Recht behalten. In einem von Ausfällen geprägten Grand Prix kam es in Runde 26 zum Drama: Rolf Stommelens Heckflügel brach und sein Hill-Auto schoss beim zweiten Anprall durch die Leitplanken. Der Deutsche erlitt mehrere Knochenbrüche, für fünf Zuschauer kam jede Hilfe zu spät.

Als Konsequenz wurde nie mehr wieder auf dem spanischen Stadtkurs gefahren. Seit 1991, wie auch an diesem Wochenende, gastiert der Rennzirkus am Circuit de Barcelona-­Catalunya.

Die Mühlen der Sicherheitsbewegung mahlten weiter langsam. Der komplette Umdenkprozess endete erst 1994 nach dem schwarzen Wochenende von Imola, als der Salzburger Roland Ratzenberger und Legende Senna starben. Die FIA mit Mosley an der Spitze investierte Millionen. Mosley: „Der Tod von Clark und Senna erschütterte die Welt. Der große Unterschied war aber, dass erst bei Sennas Ableben die Menschen nach dem Warum fragten. Niemand wollte mehr seine Helden sterben sehen.“


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