WWF will Lech als Vorbild für Isel, Außerferner warnt

Zwei Extrempositionen bei Natura 2000: WWF fordert an der Isel gleich viel Schutz wie am Lech, Bauernbündler warnt gerade davor.

(Symbolbild)
© Karl Winkler

Lienz, Reutte –Das geplante Natura-2000-Schutzgebiet an der Isel ist viel zu klein: Das behauptet die Umweltorganisation WWF in einer Aussendung. Vielmehr sollte sich die Schutzzone in Osttirol an jener am Lech orientieren. Die Ausweisung des Lechs gelte noch heute als Meilenstein in Sachen Flussschutz.

Die Umweltschützer orten eine bedenkliche Schieflage, wenn man Natura 2000 im Außerfern und in Osttirol vergleicht. In beiden Gebieten seien Tamarisken betroffen, doch am Lech seien hundert Prozent des Bestandes dieser Pflanze geschützt, während es in Osttirol nur 56 Prozent wären. „Bei der Schutzgebietsverordnung wurden weite Teile der Osttiroler Gletscherflüsse ausgespart, so zum Beispiel der Tauernbach“, so der WWF. Fünf von 17 wichtigen Tamarisken-Vorkommen würden von der geplanten Zonenverordnung gar nicht erfasst. Deshalb sei die Verordnung mangelhaft. Den Grund dafür sieht der WWF in massiver politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme. Er fordert, dass das Schutzgebiet in Osttirol umfassender werden müsse.

Am Lech habe das einwandfrei funktioniert, heißt es weiter. „Auch im Bezirk Reutte gab es anfänglich erbitterten Widerstand gegen die Schutzgebietsausweisung. Anders als an der Isel setzte die Landesregierung aber von Anfang an auf ein zusammenhängendes Schutzgebiet.“ Heute sei der Naturpark Tiroler Lech ein Erfolgsmodell, meint die Umweltorganisation.

Das sehen nicht alle so. Erst vor Kurzem hatte sich Richard Wörle (33), frischgewählter Bauernbundobmann des Bezirkes Reutte, zu Wort gemeldet und den Osttiroler Bauern Widerstand gegen die „drohende“ Natura-2000-Verordnung empfohlen. Denn die Folgen der Schutzausweisung würden in der gelebten Praxis über die eigentlich ausgewiesenen Bereiche weit auf landwirtschaftliche Flächen hinausreichen und den Bauern das Arbeiten erschweren. Würde jemand etwa – wie früher üblich – Rasenschnitt an den Lech kippen, würde er nun behördlich verfolgt. Erst vor wenigen Wochen empfahl er Osttirol: „Wehrt euch bis zum Schluss!“ Wörle steht weiter zu seinen Äußerungen. Er sei aber aufmerksam gemacht worden, dass nicht nur Natura 2000, sondern vielerlei verschiedene Gesetze einen Raubbau an der Natur verhindern würden.

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Der Verordnungsentwurf für das Natura-2000-Schutzgebiet in Osttirol kann unter www.tirol.gv.at/buergerservice/kundmachungen/landesregierung/umweltschutz nachgelesen werden. Stellungnahmen sind bis heute Abend unter umweltschutz@tirol.gv.at möglich. Bisher sind 50 eingelangt. (co, hm)


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