Fußball: Juventus legte dank „Schnäppchen“ Tevez gegen Real vor

Turin (APA) - Ein in Madrid Aussortierter und ein Schnäppchen auf dem internationalen Transfermarkt haben Reals Millionenkicker in den Schat...

Turin (APA) - Ein in Madrid Aussortierter und ein Schnäppchen auf dem internationalen Transfermarkt haben Reals Millionenkicker in den Schatten gestellt. Im Halbfinal-Hinspiel der Champions League durfte Juventus Turin dank Toren von Alvaro Morata und Carlos Tevez über einen 2:1-Heimerfolg gegen den Titelverteidiger jubeln. Vor allem Tevez brachte Real mit seinen Sturmläufen immer wieder in Bedrängnis.

Überschaubare 12 Millionen Euro überwies Juve für den Argentinier im Sommer 2013 an Manchester City. Die Investition hat sich bezahlt gemacht. In seinem ersten Jahr in der Serie A traf Tevez 19 Mal, heuer steht er mit 20 Toren an der Spitze der Schützenliste. Auch in der Champions League bewies Tevez Torhunger: Der verwandelte Elfer (57.) zum Endstand war sein siebenter Treffer im laufenden Bewerb. Juve darf mit knappem Vorsprung ins Rückspiel im Bernabeu am kommenden Mittwoch einlaufen.

Wie Tevez den Elferpfiff selbst provozierte, war sinnbildlich für den Spielstil des 31-Jährigen. Bei einem Konter sprintete er über das halbe Feld und erzwang noch die entscheidende Attacke von Dani Carvajal. Den Strafstoß setzte der nur 1,73 Meter große Unruheherd dann souverän in die Mitte des Tores. Schon beim frühen 1:0 (9.) hatte Torschütze Morata von der Vorarbeit seines Sturmpartners profitiert.

„Wir haben großartig gespielt. Wir müssen in Madrid mit der selben Entschlossenheit antreten. In Bezug auf unsere Aufstiegschancen hat sich nichts verändert“, sagte Tevez nach dem Spiel. Die Erklärung für seine Hochform lieferte der Angreifer ebenfalls: „Meine Teamkollegen haben mir gezeigt, dass ich ein Anführer bin, und ich versuche mein Bestes. Ich fühle, dass ich wichtig bin und das hilft mir, besser zu spielen.“ Eine Wertschätzung, die Tevez davor selten zuteilwurde.

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Aufgewachsen ist Tevez in ärmlichen Verhältnissen in Ciudadela im Ballungsraum Buenos Aires. Aus der als Fuerte Apache bekannten Sozialbausiedlung - sie brachte ihm den Spitznamen „Apache“ ein - ging es zu den Boca Juniors. Mit 22 Jahren gelang Tevez der Sprung nach Europa zu West Ham. 2007 folgte der Wechsel zu Manchester United, mit den Red Devils durfte Tevez 2008 über den Titelgewinn in der Champions League jubeln. Danach ging es für ihn aber vorerst bergab.

Nachdem Vertragsverhandlungen gescheitert waren, folgte der Absprung zu Stadtrivale Manchester City. Bei den Citizens blieb Tevez durch Undiszipliniertheiten in Erinnerung. Er überwarf sich mit Trainer Roberto Mancini und sorgte 2011 für einen handfesten Skandal, als er im Champions-League-Spiel beim FC Bayern München die Einwechslung verweigerte. Tevez wurde daraufhin aus dem Kader verbannt. Zudem war er ohne Erlaubnis des Clubs in seine Heimat geflogen.

Auch in der Nationalmannschaft legte Teamchef Alejandro Sabella in dieser Phase keinen Wert auf den in der Heimat beliebten Stürmer. Tevez übe einen „störenden Einfluss“ auf das Team aus, begründete Sabella den Verzicht. Tevez versäumte die WM-Endrunde in Brasilien, erst unter Sabellas‘ Nachfolger Gerardo Martino gab er im Herbst 2014 sein Comeback für die „Albiceleste“.

Groß war demnach auch die Skepsis, mit der Tevez bei Juventus empfangen wurde. Diese hat sich dank Toren am Fließband rasch zerstreut. In Italien erfährt der inzwischen 66-fache Internationale jene Anerkennung, die ihm so lange verwehrt wurde. Dass ihn ihm weiter ein schwer zu zügelnder Vulkan brodelt, wurde aber im Finish des Halbfinales sichtbar. Als Trainer Massimiliano Allegri seine Nummer 10 aus taktischen Gründen vom Feld nahm, stapfte Tevez wütend vom Platz und schien sich erst Minuten nach Schlusspfiff einigermaßen beruhigt zu haben.


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