Ins eigene Haus als Gast eingemietet

Im Bergsteigerdorf Ginzling ist Wohnraum für Einheimische knapp geworden, weil etliche Immobilien über dem ortsüblichen Preis an Ausländer verkauft wurden. Ihre Nutzung wirft rechtliche Fragen auf.

© Dähling

Von Angela Dähling

Ginzling –Da ein gewichtiger ausländischer Unternehmer, dort ein prominenter deutscher Manager – im kleinen, entlegenen Bergsteigerdorf Ginzling hat sich in den letzten Jahren so manch betuchter ruhesuchender EU-Bürger eine Immobilie zugelegt. Und zwar zu Preisen, die kein Ginzlinger hätte zahlen wollen.

Einen Wohnsitz haben viele dieser EU-Bürger allerdings in Ginzling nicht gemeldet und eine Freizeitwohnsitz-Widmung fehlt bei den meisten Immobilien auch. „Man tritt als Privatzimmervermieter auf und mietet sich in der Zeit, wo man hier ist, selbst als Feriengast im eigenen Haus ein und zahlt dann halt Kurtaxe“, erklärt Ginzlings Ortsvorsteher Rudolf Klausner. Das sei eine Empfehlung der Tourismusabteilung des Landes gewesen, behauptet Klausner: „Die waren im Zuge von Kontrollen mehrfach bei uns, und die ausländischen Käufer wollten wissen, wie sie dem Gesetz Genüge tun können. Für die Tourismusabteilung ist diese Handhabung so in Ordnung.“ In der Folge hätten dann etliche EU-Bürger ihren Hauptwohnsitz in Ginzling wieder abgemeldet. Mit eine Erklärung dafür, warum die Nächtigungszahlen in dem entlegenen Dorf in den letzten Jahren gestiegen sind, während die Einwohnerzahlen gesunken sind. Eine Entwicklung, mit der Klausner nicht glücklich ist. Derzeit sind in der zu Mayrhofen und Finkenberg zählenden Fraktion Ginzling nur etwas mehr als 350 Bürger gemeldet.

Das Einmieten als Gast in die eigene Immobilie mag für die Tourismusabteilung des Landes in Ordnung sein (für eine Stellungnahme war dort gestern niemand erreichbar). Für die Abteilung Raumordnung ist es das nicht: „Das wäre eine Gesetzesumgehung“, heißt es von dort auf Nachfrage der TT. Das Vermieten an andere sei zwar möglich, das eigene Einmieten aber ein Problem. Die Grundverkehrsbehörde müsste in solchen Fällen prüfen, ob die Immobilie somit illegal als Freizeitwohnsitz genutzt werde.

Bei der Bezirkshauptmannschaft Schwaz sind etliche Strafverfahren wegen illegaler Nutzung anhängig. „Wir sind angewiesen auf Anzeigen durch Gemeinden, Tourismusverbände oder Nachbarn. Denn wir sind keine Baubehörde und kennen die Widmung nicht zwangsläufig“, erklärt Bezirkshauptmann Karl Mark. Die Beweisaufnahme sei schwierig und umfangreich.

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

Für Ortsvorsteher Klausner ist der Immobilienverkauf an Auswärtige insofern ein Problem, als einerseits viele Wohnungen oft leer stehen, derzeit aber keine einzige Mietwohnung für Ginzlinger am Markt ist. Auch wenn man im Dorf bei insgesamt nur zehn Schülern in allen vier Volksschulklassen um den Erhalt der Schule bangt, schöpft der Ortsvorsteher Hoffnung mit Blick auf die Zahlen der Kindergartenkinder. Denn da gehe es aufwärts, sagt Klausner. Jetzt soll neuer Wohnraum geschaffen werden – nur für Einheimische.

Diese Woche stehen Gespräche mit der Neuen Heimat an, denn das alte Schulhaus hinter der Kirche ist marode. Auf dem gemeindeeigenen Areal könnten Miet- und Eigentumswohnungen für Ginzlinger durch die Neue Heimat gebaut werden. Auch das angrenzende Areal der Österreichischen Bundesforste könnte als Alternative für neun bis zwölf Wohnungen in Betracht kommen.


Kommentieren


Schlagworte