Englisch-Matura mit Thatcher und dem „Spaghetti-Monster“

Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, sind den Schülern teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt worden.

(Symbolfoto)
© jakob-gruber.at

Wien - Erneut ohne besondere Vorkommnisse ist laut Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) nach dem gestrigen Start mit Deutsch auch der zweite Tag der ersten Zentralmatura an den AHS abgelaufen. Die Schulen meldeten am Mittwoch für die Englisch-Klausuren bis Nachmittag keine unvollständigen Angaben oder sonstige Probleme - zu bearbeiten waren Aufgaben zu Margaret Thatcher und „Pastafarianismus“.

Zwischen „Pastafarianismus“ und Margaret Thatcher

Bei der 270-minütigen Prüfung waren vier Teile (Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben) zu absolvieren. Bei der „Sprachverwendung im Kontext“ (überprüft wird dabei etwa die Anwendung von Grammatik in zusammenhängenden Texten, Anm.) musste ein Lückentext über die Aktion des nunmehrigen NEOS-Abgeordneten Niko Alm vervollständigt werden, der mit einem Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung auf einem Führerscheinfoto abgebildet werden wollte. Begründet hatte er dies mit seiner Zugehörigkeit zum „Pastafarianismus“ (einer Religions-Parodie mit dem „Fliegenden Spaghetti-Monster“ als Gottheit, Anm.) und der grundsätzlichen Akzeptanz religiöser Kopfbedeckungen auf Lichtbildausweisen.

Der Hörteil bestand aus einem Rückblick auf die Lebensgeschichte der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatchers, der Leseteil bezog sich auf Höhlenmalereien in französischen Steinzeithöhlen. Als Schreibaufgabe musste etwa ein Blog-Kommentar verfasst werden, wie man Städte fahrradfreundlicher macht.

Aufgaben nicht an allen Schulen exakt gleich

Die Aufgaben waren allerdings nicht an allen Schulen exakt gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, wurden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt. Für die Beurteilung werden die vier Teile zu zwei Kompetenzbereichen zusammengefasst - einen rezeptiven (Lesen und Hören) und einen produktiven (Sprachverwendung im Kontext und Schreiben). Beide Bereiche werden gleich gewichtet.

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In beiden Kompetenzbereichen müssen mindestens 50 Prozent der Punkte für eine positive Note erreicht werden, insgesamt müssen 60 Prozent gelöst werden. Die Verwendung von Wörterbüchern war nicht erlaubt.

Die vollständigen Aufgaben werden am Donnerstag auf der Homepage des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) veröffentlicht.

FPÖ kritisiert Durchführung der Deutsch-Matura

Kritik an der Durchführung der gestrigen Deutsch-Matura kommt unterdessen von der FPÖ. Obwohl laut Bildungsministerium bei am Computer verfassten Arbeiten elektronische Wörterbücher erlaubt seien, bei denen falsch geschriebene Wörter automatisch unterstrichen werden, hätten dies einige Schulen verboten, hieß es in einer Aussendung von Bildungssprecher Walter Rosenkranz. Nicht erlaubt sei nur, wenn auch automatisch Verbesserungsvorschläge geliefert würden.

Im Ministerium hielt man fest, dass laut Prüfungsordnung „die Verwendung eines (elektronischen) Wörterbuches zulässig, der Einsatz von Lexika oder elektronischen Informationsmedien nicht zulässig ist“. Bezogen auf Textverarbeitungsprogramme wie etwa Word bedeute dies, „dass die Funktion ‚Rechtschreiberkennung‘ (Wellenlinien unter bestimmten Worten/Satzteilen) verwendet werden kann“. Die Entscheidung für die richtige Korrektur liege dabei beim Maturanten. „Die Verwendung von Autokorrekturfunktionen - also dem selbsttätigen/automatischen Korrigieren durch eine Software - ist nicht zulässig“. Falls am Schulstandort eine andere Form des elektronischen Wörterbuchs eingeführt sei, könne dieses anstatt der Funktion im Textverarbeitungsprogramm verwendet werden.

Am Donnerstag stehen die Klausuren in Spanisch sowie den Volksgruppensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch am Programm.(APA)


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