Gauck dankte Sowjetsoldaten für Befreiung Deutschlands

Berlin (APA/Reuters) - Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat den sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ausdrücklich für die Be...

Berlin (APA/Reuters) - Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat den sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ausdrücklich für die Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur gedankt. „Wir Nachgeborenen in Deutschland haben allen Grund für diesen aufopferungsvollen Kampf der ehemaligen Gegner in Ost und West dankbar zu sein“, so Gauck bei einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs.

„Er hat es möglich gemacht, dass wir in Deutschland heute in Freiheit und Würde leben können“, fügte Gauck im Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld hinzu, der damit keine Unterscheidung zwischen Westalliierten und Sowjets machte. Der Dank an die sowjetischen Soldaten ist politisch sensibel, weil seit Wochen darüber gestritten wird, wie des Kriegsendes gedacht werden soll. Angesichts der politischen Spannungen mit Russland wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim reisen die meisten westlichen Regierungschefs nicht zur militärischen Siegesparade am 9. Mai nach Moskau.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier fliegt am Donnerstag in die russische Stadt Wolgograd, um gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow Kränze auf russischen und deutschen Soldatenfriedhöfen niederzulegen. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat bereits am Dienstag beim Grabmal des unbekannten Soldaten am Kreml einen Kranz niedergelegt.

Gauck betonte in seiner Rede die deutsche Verantwortung dafür, dass in Gefangenschaft mehr als die Hälfte der rund 5,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen gestorben sei. Das Leid der sowjetischen und deutschen Kriegsgefangenen müsse als gemeinsame Verpflichtung gesehen werden, „um ein menschenwürdiges und friedliches Leben für alle zu ermöglichen und zu beschützen“, sagte der deutsche Bundespräsident.

Er ging auch darauf ein, dass der Blick auf die sowjetischen Soldaten in Deutschland durch Schreckensbilder beim Vormarsch der Roten Armee, die Leiden Deutscher in sowjetischer Gefangenschaft und die ab 1945 beginnende sowjetische Besatzungszeit in Ostdeutschland geprägt worden sei. Das sei aber kein Grund, über das millionenfache Verbrechen an den Gefangenen und den Beitrag der Roten Armee zum Sieg über Nazi-Deutschland hinwegzusehen.


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