Zugkollision - Getöter Lokführer war junger Mann aus Region

Deutschfeistritz (APA) - Bei dem am Mittwoch beim Zusammenstoß zweier Züge nördlich von Graz getöteten Lokführer handelt es sich um einen ju...

Deutschfeistritz (APA) - Bei dem am Mittwoch beim Zusammenstoß zweier Züge nördlich von Graz getöteten Lokführer handelt es sich um einen jungen Mann aus der Region. Er fuhr die Strecke mehrmals täglich, sagte Helmut Wittmann, Chef der Steiermärkischen Landesbahnen (STLB), bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Wittmann zeigte sich tief betroffen: „So etwas will sich ein Geschäftsführer nur in seinen ärgsten Albträumen vorstellen.“ Als Unfallursache wird menschliches Versagen angenommen. Der verunglückte Lokführer dürfte ersten Vermutungen zufolge nicht auf den Gegenzug gewartet haben.

Insgesamt zehn Personen haben sich in den beiden Zügen aufgehalten, berichtete das Rote Kreuz bei dem Medientermin im Gemeindeamt Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung). Man habe um das Leben des Lokführers „lange gekämpft“ - letztendlich ohne Erfolg. Der zweite Lokführer und eine Passagierin wurden mit schwersten Verletzungen ins Spital geflogen. Fünf weitere Fahrgäste erlitten „mittelgradige Verletzungen“, einer wurde leicht verletzt. Ein Passagier blieb unversehrt.

Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) hat während der Landeshauptleutekonferenz in St. Pölten von dem Unglück erfahren. Er übermittelte in einer Stellungnahme an die APA den Opfern und Angehörigen sein tiefstes Mitgefühl. Voves dankte den Einsatzkräften. Nun sei es notwendig, die Ursachen zu ermitteln „und gegebenenfalls Konsequenzen“ zu ziehen.

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Landesbahnen-Chef Wittmann erklärte, dass die regionale Strecke an der Unfallstelle eingleisig geführt wird und ein Kreuzungsbereich zum Ausweichen anschließt. Die Sicherung der Stelle wird von einem Fahrdienstleiter in Weiz übernommen, der per Telefon die Freigabe für einen der beiden Lokführer gibt, während der andere zu warten hat. Im vorliegenden Fall hätte der Zug Richtung Peggau offenbar in der Haltestelle Waldstein bleiben müssen.

Ein Fahrgast habe Wittmann erzählt, dass noch jemand an der Haltestelle zugestiegen sei, dann setzte sich die Garnitur Richtung Peggau in Bewegung. Etwa 70 bis 100 Meter nach der Haltestelle kam es zur Kollision, der Zug könnte daher noch nicht schnell unterwegs gewesen sein. Der Gegenzug fuhr mit maximal 50 km/h. Eine höhere Geschwindigkeit ist an der Stelle nicht erlaubt.

Alle Gespräche zwischen Fahrdienstleiter und Lokführer werden aufgezeichnet, müssten aber erst ausgewertet werden. Ersten Angaben des Fahrdienstleiters zufolge war bis zur Kollision alles planmäßig verlaufen.

Das Landeskriminalamt Steiermark hat Ermittlerungen wegen fahrlässiger Tötung gegen „unbekannt“ aufgenommen. Seitens der Rettung waren 55 Personen, darunter vier Notärzte, mit zehn Fahrzeugen im Einsatz. Die Feuerwehr rückte mit rund 120 Helfern an, wobei knapp 30 wegen einer Übung relativ rasch an Ort und Stelle waren. Der ÖTC flog mit zwei Hubschraubern, das Innenministerium mit einem.

Laut Wittmann begegnen sich die beiden Züge auf der Strecke nur ein bis zwei Mal pro Tag, im Schnitt verkehrt pro Stunde ein Zug durch Waldstein. Rund 800 Personen fahren täglich auf der Strecke. Für die Sicherung der Lokalbahn ist die telefonische Freigabe ohne Lichtanlage rein rechtlich ausreichend. Kommt kein Anruf oder gibt es Zweifel, müssen die Lokführer in jedem Fall warten, betonte der Landesbahnen-Chef.

Bürgermeister Michael Viertler habe den verunglückten Lokführer als „netten jungen Mann“ aus der Gemeinde gekannt. Er meinte: „Das ist der totale Wahnsinn, dass so etwas bei einem sicheren Verkehrsmittel wie dem Zug passiert.“

(0548-15, Format 88 x 55 mm)


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