Lienz: Multimediale Reise gegen das Vergessen

Die Ausstellung „Einst Flüchtling - heute Tourist“ gewährt ab 4. Juni Einblicke in die Kosakentragödie von 1945 und spannt den Bogen bis ins Heute. Anlässlich der Gedenkveranstaltungen werden Hunderte kosakenstämmige Gäste in Lienz erwartet.

© Funder

Von Claudia Funder

Lienz –Der Ort für das Pressegespräch war nicht zufällig, sondern ganz bewusst gewählt worden. Harald Stadler, Leiter des Innsbrucker Instituts für Archäologien, lud gestern in ein Lienzer Gasthaus, das einst Kommandozentrale der Kosakeneinheiten war. Und gab Details zur mit Spannung erwarteten Ausstellung bekannt, die er kuratiert.

Die Kosakentragödie in Lienz jährt sich heuer zum 70. Mal – Anlass, mit einem dichten Gedenkprogramm zurückzublicken. Die Ausstellung im „Südbahnheizhaus 1871 Lienz“ wird zu einem der bedeutendsten Eckpfeiler.

Die vielen neuen Erkenntnisse der letzten Jahre erlebbar machen – das ist erklärtes Ziel des Historikers, der für die Schau den markanten Titel „Einst Flüchtling – heute Tourist“ wählte. „Das Thema, so tragisch es ist, ist auch eine touristische Chance, die es zu nutzen gilt“, betont Stadler.

Nachkommen der Kosaken gibt es weltweit. Das Interesse, vor Ort mehr darüber zu erfahren, was ihre Vorfahren erlebt haben, ist ungebrochen groß. Um die entsprechenden Strukturen zu schaffen und zu erhalten, braucht es die Verschränkung von Wissenschaft und Tourismus.

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Erste Fäden in diese Richtung wurden bereits gezogen. „Über 600 kosakenstämmige Gäste werden zu den Gedenkveranstaltungen erwartet“, verrät Stadler.

Die multimediale Schau wird mit 25 Schautafeln, Filmen, einem Hörbeispiel und drei adaptierten Waggons – je einer ist der Perspektive der Kosaken, Briten und Osttiroler gewidmet – völlig neue Einblicke in das dunkle Kapitel der Geschichte bieten. Originalexponate ergänzen die Schau, darunter sensationelle Sonderfunde, über die sich Stadler aber noch in Schweigen hüllt. Das Programm der Ausstellung, die diverse Aspekte der Tragödie beleuchtet und einen Bogen bis in das Heute spannt, wird in Deutsch, Englisch, Italienisch und Russisch angeboten. Begleitend warten Spezialführungen sowie hochkarätige Vorträge, etwa von Harald Stadler und dem Historiker Martin Kofler, die die Besucher noch tiefer in die Materie eintauchen lassen.

Die Ausstellung wird bis 15. September zu sehen sein – bei erwartetem Erfolg will man in die Verlängerung gehen.

Harald Stadler denkt aber schon längst viel weiter voraus und will die „Brücke der Erinnerung“ sowie ein Dokumentationszentrum in Lienz realisieren, um „der Tragödie jenen Raum zu geben, den sie verdient“, wie er sagt.


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