Sport: EU-Abgeordnete fordern mehr Rücksicht auf Menschenrechte

Brüssel (APA/dpa) - Europaparlamentarier und Human Rights Watch prangern fünf Wochen vor den Europaspielen in Baku eine größere Rolle von Me...

Brüssel (APA/dpa) - Europaparlamentarier und Human Rights Watch prangern fünf Wochen vor den Europaspielen in Baku eine größere Rolle von Menschenrechten bei der Sportevent-Vergabe an. Die Entscheidung für einen Gastgeber hätte weitreichende Konsequenzen, sagte die Vorsitzende des Menschenrechts-Ausschusses, die sozialistische spanische Abgeordnete Elena Valenciano, in einer Anhörung zum Thema am Mittwoch in Brüssel.

Menschenrechte müssten eine Schlüsselrolle bei der Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) oder den Fußball-Weltverband (FIFA) einnehmen, verlangten mehrere EU-Parlamentarier. Sie wollen eine Resolution zum Thema Menschenrechte und Sportereignisse erarbeiten.

Kritiker der Vergabemechanismen sagten, es gebe eine Tendenz, Sportereignisse an autoritär regierte Staaten zu vergeben wie zum Beispiel Olympia 2008 in Peking oder die Fußball-WM 2022 an Katar. Vertreter von FIFA und der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees Europas (EOC) verteidigten ihr Vorgehen.

Human Rights Watch kritisierte mit Blick auf die Europaspiele in Baku erneut Verstöße gegen die Menschenrechte und Pressefreiheit in Aserbaidschan. Die Organisation forderte ein Handeln von Sportverbänden und Politik. „Wir rufen Regierungen auf, keine hochrangigen Delegationen zu der Eröffnungsfeier zu schicken“, sagte HRW-Europa- und Zentralasien-Direktor Hugh Williamson in Berlin mit Blick auf den Start der ersten Europaspiele am 12. Juni.

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Die Organisation veröffentlichte einen Bericht über die aktuelle Situation in Aserbaidschan. „Die Regierung geht härter gegen Kritiker vor als jemals zuvor“, erklärte die ebenfalls für diese Region zuständige Jane Buchanan. Human Rights Watch zufolge seien im vergangenen Jahr 35 Journalisten, Menschenrechtler und politische Aktivisten strafrechtlich verfolgt oder verhaftet worden.

Ein Aufruf zum Boykott komme für HRW aber nicht infrage. „Dies tut den Leuten weh, die nicht für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, den Sportlern, Fans und Teams“, sagte Buchanan. „Wir erwarten, dass das EOC nicht stumm zuschaut, sondern sich für die Freilassung von Journalisten einsetzt.“

Das EOC hatte zuletzt erklärt, dass man „innerhalb des politischen Kontextes operieren“ müsse. „Es ist nicht die Position des EOC, die rechtlichen oder politischen Vorgänge in einem souveränen Staat anzuzweifeln oder zu beurteilen“, hieß es vor knapp zwei Wochen in einer Stellungnahme.


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