Die fliegenden Augen aus Österreich

Ein niederösterreichisches Unternehmen stellt zwei ferngesteuerte Helikopter für ein privates Rettungsunternehmen im Mittelmeer. Schiebel bemüht sich für seinen Camcopter um die Freigabe für den gesamten Luftraum.

Die Camcopter an Bord der Phoenix erlauben es der Hilfsorganisation MOAS, gezielt Flüchtlingsboote aufzuspüren. Rechts: Rettung aus Seenot.Fotos: MOAS

Von Wolfgang Sablatnig

Wiener Neustadt, Malta –Vor einer Woche ist die „Phoenix“ von Malta aus wieder in See gestochen und hat bereits mehrere hundert Flüchtlinge retten können. Betreiber des Schiffes ist die private Hilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station), eine Gründung des Versicherungsunternehmers Christopher Catrambone und seiner Frau Regina. „Augen“ der Mission sind zwei Drohnen des niederösterreichischen Hightech-Unternehmens Schiebel. Die ferngesteuerten Helikopter können bis zu zehn Stunden in der Luft bleiben und ein Gebiet mit einem Durchmesser von 400 Kilometern überwachen. Entdeckt ein „Camcopter“ ein Flüchtlingsboot, leitet die Phoenix die Information an Behörden weiter und bemüht sich selbst um Hilfe. Ärzte der Organisation „Mediziner ohne Grenzen“ kümmern sich um die Erstversorgung der Flüchtlinge.

Die Camcopter sind im Mittelmeer bereits die zweite Saison im Einsatz. Schiebel stellt auch die Piloten für die drei Meter langen Fluggeräte – ebenso wie bei der Überwachung der Lage in der Ostukraine, wo Schiebel im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) tätig ist.

Kerngeschäft des Unternehmens sei aber der Verkauf seiner Produkte, betont Geschäftsführer Hannes Hecher im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. 200 Stück der Drohnen habe Schiebel bereits verkauft und sei damit Weltmarktführer. Rund 40 weitere werden derzeit pro Jahr in Wiener Neustadt gebaut. Die Bestandteile kommen von mehr als 120 Zulieferern, großteils aus Österreich. Nur die ultraleichte Karbonverkleidung produziert Schiebel selbst.

Das Wort „Drohne“ vermeidet der gebürtige Innsbrucker freilich. Drohnen, das seien die großen, „bösen“ Raptor-Flieger, welche die USA in Afghanistan und Pakistan für gezielte Tötungen einsetzen. „Drohnen“ seien aber auch kleine Spielzeuggeräte. Der „Camcopter“ hingegen spiele in einer eigenen Liga: drei Meter lang, Rotordurchmesser 3,40 Meter, inklusive Kameras und Sensoren (50 Kilo) sowie Treibstoff 200 Kilo schwer.

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Rund 80 Prozent der Camcopter fliegen weltweit für Armeen, Polizeibehörden oder zur Grenzüberwachung. 20 Prozent seien zivil im Einsatz, bei der Überwachung von Pipelines oder Stromleitungen etwa. Hecher möchte sein Geschäft vor allem im zivilen Bereich ausbauen.

Voraussetzung dafür ist die Zulassung des Camcopters für den freien Luftraum, um die sich Schiebel bemüht. „Wir sind die Kleinsten der Großen“, sagt der Manager. Das europäische Zertifizierungsverfahren laufe genauso ab wie beim Mega-Airbus A380. In drei Jahren will Schiebel den Prozess abgeschlossen haben, für den das Unternehmen 8,4 Millionen Euro in die Hand nimmt.

Vorwürfe, sein Unternehmen liefere Kriegsgerät in Krisenregionen, weist Hecher zurück. „50 Kilo Zuladung sind für eine sinnvolle Bewaffnung zu wenig. Für Kameras sind sie sehr gut.“

Der Manager findet auch an einer früheren Lieferung nach Libyen nichts Anstößiges: Europa habe das nordafrikanische Land beim Aufbau seiner Grenzüberwachung damals gezielt unterstützt. Im Übrigen werde jeder Export von Außen- und Wirtschaftsministerium geprüft.


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