Normalbetrieb auf der Kinderstation

Der Engpass der vergangenen Monate ist überwunden: Der ärztliche Direktor des Krankenhauses Kufstein, Carl Miller, verkündete beim TT-Forum, dass für die Kinderstation eine Fachärztin gefunden wurde.

© Otter

Von Michael Mader

Kufstein –Die frohe Botschaft kam gleich zu Beginn der Diskussionsveranstaltung der Tiroler Tageszeitung am Mittwochabend im Kufsteiner Stadtsaal. „Wir konnten eine Fachärztin aus Deutschland gewinnen“, verkündete Primar Carl Miller, der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Kufstein. Somit herrscht auf der Kinderstation seit wenigen Tagen wieder Normalbetrieb.

Wie berichtet, wurden aufgrund des Krankenstandes der ärztlichen Leiterin der Kinderstation und des Abgangs mehrerer Fachärzte nur noch Neugeborene stationär aufgenommen, ebenso Kinder, die in anderen Abteilungen des Krankenhauses operiert wurden.

„Wir haben in den vergangenen Monaten eine sehr schwierige Zeit mitgemacht“, erklärt Rudolf Puecher, der Obmann des Krankenhaus-Gemeindeverbands. Laut Miller seien aber durch die Unterstützung aus den Krankenhäusern St. Johann und Reutte – wo der Primar und zwei Oberärzte Wochenenddienste übernahmen – immer Fachärzte auf der Kinderstation gewesen.

Seitens des Krankenhausverbandes gab es auch ein klares Bekenntnis zur Kinderstation. Sowohl Miller als auch Puecher bekräftigten, dass der Wille, Ärzte zu finden, immer da war. Sogar zwei Headhunterfirmen wurden mit der Suche beauftragt. Ärzte zu finden, sei aber schwierig.

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Isabella Gruber von der Liste Fritz führte die knappe Personalsituation eher auf die „mangelnde Führung“ im Krankenhaus zurück: „In den letzten Jahren wurden Prozesse gegen Mitarbeiter und den Betriebsrat geführt.“

Erna Suchan, Stationsleiterin der Kinderabteilung, berichtete vom Engagement aller im Krankenhaus, „damit der Betrieb läuft“: „Es wurden auch nur wenige Kinder nach St. Johann geschickt.“ Die Diskussion mit dem Betriebsrat stünde außer Frage, aber die Vorwürfe, dass die Führung so schlecht sei, die Leute so unzufrieden seien und die Mitarbeiter unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten müssten, stimmten einfach nicht.

Eine Lanze für das Personal an der Kinderstation brach „Patient“ Rudi Koffou: „Wir wissen, wie es ist, wenn der 21 Monate alte Sohn in der Nacht einen Pseudokrupp-Anfall hat, man im Krankenhaus anruft und es heißt, dass wir sofort kommen können. Hier zählen Minuten. Ein großes Lob für die Kinderstation.“

Aber auch der weitere Ausbau des Krankenhauses stand an diesem Abend zur Diskussion. „Gegen den Ausbau spricht sich niemand aus“, merkte Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel an, „aber es dürfen die Kosten nicht ganz außer Acht gelassen werden“, ergänzte seine Kollegin aus Wörgl, Bürgermeisterin Hedi Wechner. Beide Städte sind ja die „größten Zahler“ im Gemeindeverband. „Der Verband will den Ausbau unbedingt, die Finanzierung steht. Uns stehen aber Lohnforderungen ins Haus, was einer Steigerung von 7,5 Millionen Euro entspricht. Damit könnten wir in dreieinhalb Jahren den Ausbau finanzieren“, rechnete Puecher vor.

Der Kufsteiner Gemeinderat Simon Hermann Huber findet den Weg, den Ausbau zu stoppen, falsch: „Ein wesentlicher Teil ist die Bezahlung der Ärzte, das ist legitim. Wir müssen jetzt in die Zukunft investieren.“ Er überlegt, einen dementsprechenden Antrag im Gemeinderat einzubringen. „Gerade jetzt, wo uns die Tilak übernehmen will, sollten wir den Ausbau forcieren“, meldete sich etwa Kurt Mayer zu Wort.

„Wir haben beim Krankenhaus das zweitbeste Ergebnis in Tirol und wesentlich weniger Abgang als die Tilak-Krankenhäuser. Uns hat noch keiner vorgeführt, dass er es besser kann“, merkte Krumschnabel an.

„Wenn es nach der Tilak geht, würde an den Peripherien nur noch die Basisversorgung stattfinden“, erklärte Puecher und der ärztliche Direktor ergänzt: „Wir wären nur noch ein Pflegekrankenhaus.“

Während Wechner von einer drohenden Zweiklassen-Medizin sprach, kritisierte Krumschnabel den Zielsteuerungskatalog des Bundes: „Das ist eine Kostendämpfung von der ersten bis zur letzten Seite.“


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