Matura: Selbsterfahrung eröffnete Blick zurück und in die Zukunft

Wien/Österreich-weit (APA) - Unter dem Titel „Matura für Medienvertreter“ lud das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) am Mittwochab...

Wien/Österreich-weit (APA) - Unter dem Titel „Matura für Medienvertreter“ lud das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) am Mittwochabend Journalisten zu einer Art Zeitreise ein. Es galt der Gegenwart und Zukunft der Matura durch die Brille der eigenen Schul-Erfahrungen zu begegnen. Erkenntnis: Nicht der erste, sondern der zweite Teil des Wortes „Zentralmatura“ ist der entscheidende.

Angesichts dessen, wie die Zentralmatura dieser Tage aufgearbeitet wird, könnte der Eindruck entstehen, es ginge vor allem darum, wie sie organisiert und aufgebaut ist und was dabei potenziell alles daneben gehen kann. In dem Konferenzraum des mit der Erstellung, Planung und Abwicklung der Zentralmatura betrauten Bifie in Wien-Leopoldstadt rückten solche Überlegungen allerdings rasch in den Hintergrund.

Spätestens ab der Ansage, dass auf dem Tisch außer Schreibgerät, Getränk, Aufgabenheft und Antwortzettel nichts etwas verloren habe bzw. dem Absammeln der Handys wurde klar, dass es sich hier eher nicht um eine Juxveranstaltung handelt. Das Bild vervollständigten die Protagonisten: Jürgen Horschinegg, Leiter des Bifie-Standorts Wien, wies beim Öffnen des versiegelten Kuverts auf seine langjährige Erfahrung als Matura-Vorsitzender hin.

Durch die Prüfung führten die frühere BHS-Lehrerin und Teamleiterin für Lebende Fremdsprachen am Bifie, Eva Dousset-Ortner, und die Native-Speakerin Dianne Davies. Streng nach Protokoll lief die auf ungefähr 90 Minuten gekürzte Journalisten-Matura ab. Sie bestand aus Aufgaben, die auch die Schüler in ihrer 270-minütigen Klausur wenige Stunden davor bearbeitet hatten.

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Der Boden für die Assoziationen, die nötig sind, um sich einige Jahre zurückversetzt zu fühlen, war gelegt und beim Öffnen des ersten Aufgabenheftes zu Lesekompetenz machte sich trotz besseren Vorsatzes eine gewisse Nervosität bemerkbar. Die beiden Texte - die Schüler bearbeiteten vier - drehten sich um Verkehrsprobleme Chinas und Straßenüberwachung in Sydney. Dazu galt es Fragen zu beantworten und Sätze passend zu vervollständigen.

Im anschließenden Hörteil erhöhte sich das Tempo. Die Fragen zu den zwei Radiobeiträgen (die „echten“ Maturanten bekamen vier), die je zwei Mal vorgespielt wurden, mussten fast in Echtzeit eingetragen und auf den Antwortzettel übertragen werden. Das löste erstes Stöhnen unter den Teilnehmern aus. Ein Beitrag war ein Radio-Nachruf anlässlich des Todes der britischen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Hier hatten Kandidaten mit Hintergrundwissen über ihr Leben und Wirken möglicherweise Vorteile. Machbar war die Aufgabe aber auch ohne Vorwissen.

Im dritten Teil ging es um Sprachverwendung im Kontext, also etwa Grammatik. Es galt Texte über Felix Baumgartner und die Anfänge der Suffragetten-Bewegung zu vervollständigen und überschüssige Wörter in einem Text über Höhlenmalerei zu eliminieren. Auch das erwies sich als nicht immer einfach. Die Schüler erhielten noch eine vierte Aufgabe in diesem Gebiet, außerdem bekamen sie noch ein viertes Aufgabenhaft mit zwei Schreibaufgaben, die den Journalisten erspart blieben: In einem Essay im Umfang von etwa 400 Wörtern sollten sich die Maturanten mit dem Risikoverhalten Jugendlicher auseinandersetzen. Ein Blog-Eintrag in etwa 250 Worten sollte das Thema „Radfahren in der Stadt“ behandeln.

Nach der Prüfung tauchte unter den Teilnehmern immer wieder die gleiche, nicht unvertraute Frage auf: „Und, wie ist es dir gegangen?“ Der Tenor lautete: „Gut“. Mit dem Befund, dass der Hörteil nicht einfach war, stand man nicht alleine da. Auch die Erkenntnis, dass man das eine oder andere Aufgabenformat so in der eigenen Schulzeit sicher nicht bearbeitet hat und es dementsprechend dauerte, um sich darin zu orientieren, teilten mehrere Teilnehmer.

Seine Ergebnisse erfuhr man dann in Einzelgesprächen. Fazit: Allzu viel war zum Glück nicht falsch - Davis legte trotzdem den Finger in eine kleine Wunde und deutete mit den Worten „You know that, don‘t you?“, auf ein falsch ergänztes Wort. Antwort in etwa: „Ähm, yes, no, maybe.“


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