Crypt of the Necrodancer: Held mit Rhythmusgefühl gesucht

Im Rhythmus durch eine Gruft: „Crypt of the Necrodancer“ begründet ein neues Spielgenre, in dem Musik eine zentrale Rolle spielt.

Gegner wie dieser Drache können uns schnell den Garaus machen. Crypt of the Necrodancer bringt uns aber schnell bei, wie gespielt wird.
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Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – Mut. Furchtlosigkeit. Ein gutes Herz. Ein starker Schwertarm. Wenn die Anforderungen an Fantasy-Helden aufgezählt werden, ist Rhythmusgefühl nur selten unter den wichtigsten Eigenschaften. In „Crypt of the Necrodancer“ ist es der Hauptaspekt, den ein Held mitbringen muss. Denn um sich seinen Weg durch die namensgebende Gruft bahnen zu können, muss der Spieler genau auf die Musik achten.

Rhythmus im Herzen

Von Feld zu Feld bewegt man sich im Rhythmus der elektronischen Musik, um Punkte sammeln zu können. Auch die Monster, denen man auf seinem Weg begegnet, halten sich brav an die musikalischen Vorgaben. Am unteren Bildschirmrand wird der Beat mittels Strichen und eines Herzens dargestellt, wichtig ist aber dennoch das Hören. Zu diesem Zweck muss die Steuerung am Beginn des Spiels auch kalibriert werden. Je weiter unser Held in die Gruft vordringt, desto komplizierter wird auch die Musik. Beats werden schneller, ändern den Takt, den Abstand. „Crypt of the Necrodancer“ trennt sehr schnell die Spreu vom Weizen. Wer es durch das ganze Spiel schafft, darf durchaus stolz auf seine spielerischen, aber auch musikalischen Qualitäten sein. Dabei ist der Titel aber praktisch nie unfair.

Auch das Hauptmenü präsentiert sich als Raum in der Gruft.
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Fehlen dürfen natürlich auch Gegenstände und Waffen nicht. Im Anfangsraum, der als Hauptmenü dient, können mittels gesammelten Goldes neue Items freigeschaltet werden. In den Levels selbst sind immer wieder Händler stationiert, die manchmal mehr, manchmal weniger nützliche Gegenstände verkaufen. Eine Begegnung mit ihnen ist in jedem Fall immer angenehm. Die Gesangsperformance, die Händler zum Besten geben, sucht ihresgleichen.

Zur eigenen Musik durch die Gruft

Neben dem Rhythmus werden natürlich auch die Gegner im Verlauf des Spiels immer anspruchsvoller. Begegnen uns anfangs noch Schleimkugeln, die sich nicht bewegen, sind es schon bald Drachen und blutrünstige Vögel, die uns das tänzerische Leben schwer machen. Bosse am Ende eines jeden Stockwerks sind manchmal einfacher, manchmal schwieriger. Hier kommt gelegentlich durchaus auch Glück ins Spiel, mit etwas Erfahrung wird der Rhythmus aber schon bald zum Verbündeten. Verschiedene spielbare Charaktere verändern das Spielgefühl teilweise deutlich. Übernimmt man etwa die Kontrolle über einen tauben Charakter, spielt Rhythmus plötzlich keine Rolle mehr, das Spiel verändert sich völlig.

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Bei Händlern neben dem Anfangsraum können etwa Gegenstände gekauft werden, die dann in in den Levels verteilten Kisten auftauchen.
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Besonderes Gimmick: Neben dem Retro-Elektro-Soundtrack, den das Spiel mitbringt, kann auch eigene Musik ins Spiel importiert werden. Wer sich also lieber zum Rhythmus von Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ oder Pharrell Williams‘ „Happy“ durch die Gänge metzeln will, dem stehen auch diese Optionen offen. Nur der Gesang der Händler kann dann nicht genossen werden.

Fazit

„Crypt of the Necrodancer“ kombiniert den Retro-Trend, der in der Gaming-Welt kaum an Zugkraft zu verlieren scheint, mit einer großartigen neuen Spielidee. Rhythmus war bislang praktisch nur in Spielen wie „Rock Band“ oder „Dance Dance Revolution“ ein wichtiger Faktor. Die Kombination mit dem klassischen Roguelike-Konzept der Tausenden Tode klingt zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber erstaunlich gut. So gut, dass sich die Frage aufdrängt, warum bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist. Jeder Idee ihre Zeit. Und die Zeit für „Crypt of the Necrodancer“ ist eindeutig reif.

Entwickler/Publisher: Brace Yourself Games

„Crypt of the Necrodancer“ ist als Download für Windows, Mac und Linux verfügbar.

Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


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