Rupprechter: Green Care als neue Perspektive für die Landwirtschaft

Maria Anzbach (APA) - Im Green Care Projekt wachsen Landwirtschaft und Soziales zusammen, Bauernhöfe werden zu Sozial-, Gesundheits-, Bildun...

Maria Anzbach (APA) - Im Green Care Projekt wachsen Landwirtschaft und Soziales zusammen, Bauernhöfe werden zu Sozial-, Gesundheits-, Bildungs- und auch Arbeitseinrichtungen. Bei der Präsentation der Initiative auf einem „Vorzeigehof“ in Maria Anzbach (Bezirk St. Pölten) sprachen die Minister Andrä Rupprechter (Landwirtschaft) und Sophie Karmasin (Familie) am Donnerstag von einer Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Der Dreierhof der Familie Hieret, umgeben von Wiesen und Wäldern, wird - in vierter Generation - seit 1995 biologisch bewirtschaftet. Auf der Suche nach innovativen Ideen stieß Eva Hieret auf Green Care, in der Folge wurde in Kooperation mit „Jugend am Werk“ tiergestützte Intervention für Menschen mit Behinderung umgesetzt. Im Rahmen von „Schule am Bauernhof“ lernen Klassen das ländliche Leben und Tiere kennen, weiters gibt es reitpädagogische Betreuung. Die Backstube wurde wiederbelebt und sorgt nicht nur für die Nahversorgung, sondern bietet eine Tagesstruktur für Menschen mit Behinderung. Auch Demenzkranke finden Beschäftigung, etwa durch gemeinsames Kochen, sie erfüllen kleine Aufgaben wie Eier von den Hühnern zu holen.

Rupprechter (ÖVP), dem zufolge im Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum 118 Millionen Euro reserviert sind, berichtete von regem Interesse landwirtschaftlicher Betriebe an sozialen Dienstleistungen in Kooperation mit anerkannten Sozialträgern. „35 Green Care Projekte sind in der Pipeline“, 500 Betriebe interessiert. Informationen und Beratung gebe es bei den örtlichen Landwirtschaftskammern bzw. direkt im Ressort.

„Green Care - wo Menschen aufblühen“ setze am durch die gesellschaftliche Entwicklung bedingten steigenden Bedarf an Unterstützung in verschiedensten Bereichen an, verwies der Minister u.a. darauf, dass der Anteil der über 65-Jährigen in Österreich bis 2050 auf mehr als 2,6 Millionen anwachsen und sich damit auch die Zahl der Demenzkranken erhöhen werde. Psychische Belastung und Erkrankungen nehmen ebenfalls zu, jedes dritte elfjährige Kind sei übergewichtig. Das Angebot von Kinder- bis zur Altenbetreuung, tiergestützter Therapie etwa für hyperaktive Kinder oder auch Arbeitsort etwa für ältere Beschäftigungslose sei keine Konkurrenz, sondern Ergänzung im Gesundheits- und Sozialsystem, wurde betont. Für die Landwirtwirtschaft, die angesichts des Strukturwandels vor großen Herausforderungen stehe, würden sich durch Green Care Chancen ergeben.

Karmasin (ÖVP) bezeichnete die Initiative als nächsten Schritt für nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum, wo Vereinbarkeitsmaßnahmen für Frauen wie etwa der Ausbau an Kinderbetreuungseinrichtungen wichtig seien, um Absiedlung zu verhindern. Die Möglichkeit der Kinderbetreuung durch „Tageseltern am Bauernhof“ sei zukunftsweisend. Auch im Pflegebereich brauche es Kreativität.


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