Jahrelang ohne Festnetz und Internet

Telefonieren und im Internet surfen sind für eine Achenkircherin wie Luxus. Denn eine Glasfaserleitung zu ihrem Haus gibt es nicht. Noch nicht, verspricht die Gemeinde, während es seitens A1 keine Hoffnung gibt.

(Symbolfoto)
© Keystone

Von Eva-Maria Fankhauser

Achenkirch –Ein Leben ohne Festnetz und ohne Internet – für viele Menschen wäre ein solcher Umstand undenkbar. Für eine Oberösterreicherin, die nach Achenkirch gezogen ist, ist dies seit knapp zwei Jahren Alltag. Sie versuchte bisher vergeblich einen Leitungsausbau seitens der A1 Telekom Austria GmbH zu erwirken. Auch die Gemeinde habe ihr keine Hilfe bieten können.

„Während A1 sagt, dass die Verlängerung der Leitung kein Problem sei, aber Steckplätze für den Anschluss fehlen und die Zuständigkeit dafür bei der Gemeinde läge, sagt diese wiederum, dass das nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle, sondern von A1 gemacht werden müsse“, beschwert sich die Achenkircherin. Ein Teufelskreis. Aufgeben kommt für sie aber nicht in Frage. Das Haus, welches sie gekauft hat, besitzt seit den 1930er-Jahren einen Viertelanschluss. Das bedeutet, dass sich bis zu vier Haushalte einen Anschluss teilen. Diese können aber nicht gleichzeitig telefonieren und sich auch nicht gegenseitig anrufen. „Ein Internetanschluss ist daher absolut unmöglich. Da wäre die Leitung ständig belegt“, betont die Achenkircherin, die es leid ist, ständig endlose Gespräche zu führen, die zu nichts führen. „Ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige Betroffene im Gemeindegebiet Achenkirch Nord bin“, sagt sie.

Das Warten auf einen Internet- und Festnetzanschluss könnte laut BM Stefan Messner schon bald ein Ende haben. „Wir forcieren bereits seit Längerem einen Breitbandausbau. Das Projekt umfasst eine Glasfaserleitung zu jedem Haushalt in Achenkirch. In den nächsten vier bis fünf Jahren sollten realistisch gesehen bis zu 90 Prozent aller Haushalte an die Gemeindeleitung angeschlossen sein“, erklärt Messner. Dafür investiere die Gemeinde jährlich rund 250.000 Euro. Laut Messner soll das Grundstück der betroffenen Achenkircherin noch heuer im Herbst oder spätestens nächstes Jahr angeschlossen werden.

Seitens der A1 Telekom beteuert man, dass von den 1100 Anschlüssen in Achenkirch bereits 45 Prozent angeschlossen sind. „Leider liegen viele der übrigen Haushalte so weit verstreut und von unserer zentralen Telekommunikationsinfrastruktur entfernt, dass eine solche Versorgung dort nicht möglich ist. Zudem sind die Anschlusskapazitäten der verlegten Kabel in diesem Gebiet zwischenzeitlich an ihre Grenzen gestoßen“, heißt es in einem Schreiben an die TT. Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber künftig ändern, sei man seitens A1 gesprächsbereit und würde „auch den Festnetzausbau neu evaluieren“.

„Eigentlich kann es nicht sein, dass wir Tausende Euro investieren und die A1 dann kassiert“, erbost sich Messner. Dass die A1 Telekom derzeit mit dem Bau flächendeckender Glasfaser-Technologie in Österreich wirbt, finden Messner und die Achenkircherin geradezu grotesk. Im Schreiben an die Redaktion bietet A1 an, nochmals einen Techniker zur genauen Leitungsüberprüfung zu schicken, „um zu checken, ob eventuell doch eine Versorgung über eine Festnetz-Leitung möglich ist“. Darüber kann sie aber nur lachen: „Der Techniker war vor 14 Tagen da und hat gesagt, dass da absolut nichts zu machen ist.“ Da baue sie lieber auf die Gemeinde, auch wenn es noch dauert.


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