Eishockey: Tschechen perfekte WM-Gastgeber - Prag in Partystimmung

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Prag (APA) - Das Lokal von Jaromir Jagr in einer Nebenstraße des Wenzelplatzes, das Österreichs Spieler vor elf Jahren noch besucht haben, gibt es nicht mehr. Zu teuer und nur für Touristen, die Begründung, aber keineswegs ein Spiegelbild der Begeisterung für Eishockey und den größten Star des Landes.

Zum zehnten Mal ist Prag Gastgeber einer Eishockey-Weltmeisterschaft. Man kann es dem internationalen Verband nicht verdenken. Kaum wo anders ist die Begeisterung für eine Eishockey-WM in einer ganzen Stadt so sicht- und spürbar wie in Tschechiens Hauptstadt. Bunte Fans aus allen Ländern, die lautstark, aber friedlich feiern, prägen das Stadtbild.

Auch die Zahlen stimmen. Bei der WM 2004 in Prag und Ostrau war mit 552.097 Zuschauern ein Rekord ausgestellt worden, der im Vorjahr von Minsk (640.044) übertroffen worden ist. Heuer wollen sich die Tschechen den Rekord zurückholen. Die Tickets sind ein Renner. Die Partie der Gastgeber gegen Österreich in der 17.360 Zuschauer fassenden O2 Arena am Freitag war innerhalb von 50 Minuten ausverkauft, für das Match Kanada - Österreich an einem Wochentag zur Mittagszeit (Dienstag, 12.15 Uhr) waren eine Woche davor nicht einmal mehr 1.000 Tickets im Handel erhältlich. Zu den Mittagspartien der Österreicher am ersten Wochenende gegen die Schweiz und Schweden kamen jeweils rund 14.000 Fans in der Halle.

Auch auf die nächste Generation hat der tschechische Verband nicht vergessen, 35.000 Gratis-Tickets wurden an Schulkinder vergeben. Denn Eishockey ist die Nummer eins der Mannschaftssportarten, hat sogar durchschnittlich mehr Zuschauer als Fußball.

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Wenig überraschend, dass für die Heim-WM keine Spieler-Absagen bei Teamchef Vladimir Ruzicka eintrudelten. Ganz im Gegenteil. Selbst Martin Rucinsky, der den Traditionsclub aus Litvinov zum ersten Meistertitel der Clubgeschichte geführt hat, wollte mit seinen 44 Jahren noch teilnehmen, musste aber wegen einer Verletzung passen. An Jaromir Jagr hat ohnehin kein Weg vorbeigeführt, nachdem der mittlerweile 43-Jährige seinen Rücktritt für die Heim-WM rückgängig gemacht hatte.

Jagr hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. 1998 holte er mit Tschechien Olympia-Gold in Nagano, er war zweimal Weltmeister (2005 in Wien und 2010) und gewann mit den Pittsburgh Penguins 1991 und 1992 den Stanley Cup. Jagr war fünfmal Torschützenkönig der NHL und 1998/99 MVP (wertvollster Spieler), liegt mit 722 Toren im NHL-Grunddurchgang auf Platz fünf der ewigen NHL-Torschützenliste und stellt bei den Florida Panthers noch immer seinen Mann.

Geliebt wird er auch für sein politisches Statement durch seine Rückennummer 68. Diese trägt Jagr seit seinem ersten internationalen Auftritt bei der Junioren-WM 1990 zu Ehren seines Großvaters, der bei der sowjetischen Invasion 1968 in Tschechien ums Leben kam.

Michael Raffl hat es in der NHL schon mit Jagr zu tun bekommen. „Ich hätte ihn gerne früher spielen gesehen. Er hat eine super Übersicht und ist kaum von der Scheibe zu trennen. Einer der besten, die je die Schuhe gebunden haben“, sagte Raffl. Und Jagr stellt sich auch in den Dienst der Mannschaft. Erstmals spielt der Stürmerstar im Nationalteam nicht in der ersten Linie und hat auch akzeptiert, dass er weniger Eiszeit bekommt. Mit zwei Toren und einem Assist in drei Spielen kann sich seine Bilanz dennoch sehen lassen.

Zum Kapitän der Mannschaft ist auch ein anderer bestimmt worden. Jakub Voracek führt das Team ein. Voracek ist Mannschaftskollege von Michael Raffl bei den Philadelphia Flyers, gemeinsam bilden sie oft mit Kanadas WM-Teilnehmer Claude Giroux die erste Linie. „Er ist der beste Spieler bei den Tschechen“, ist Raffl überzeugt. „Auch in der NHL gehört er zu den besten. Bei ihm werden wir wohl zwei hinschicken müssen“, sagte Österreichs Stürmer.


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