Etliche Versicherer verschwinden wegen Niedrigzinsen, Aufsichtsregeln

Wien (APA) - Das voraussichtlich lange Zeit anhaltende Niedrigzins-Niveau und neue, strengere Aufsichtsregeln werden auch in Österreich Vers...

Wien (APA) - Das voraussichtlich lange Zeit anhaltende Niedrigzins-Niveau und neue, strengere Aufsichtsregeln werden auch in Österreich Versicherungsunternehmen verschwinden lassen. Einzelne Häuser könnten die Lebenssparte an andere Player abgeben oder kein Neugeschäft mehr annehmen. Die Implementierung von „Solvency II“ kostet die Branche 160 Mio. Euro, dazu kommen jährlich 30 Mio. Euro laufende Kosten.

Wie in Deutschland könnten sich auch hierzulande Lebensversicherer vom Markt verabschieden, meinte UNIQA-Chief Finance und Risk Officer (CFO/CRO) Kurt Svoboda vor Journalisten und verwies dazu auf die Heidelberger Leben und die Skandia. Vor allem wo Zins- oder Garantieversprechen abgegeben würden, werde es „schwierig“. Hinzu kämen neue Kosten für die gesamte Finanzbranche, auch für die Assekuranz, durch strengere Aufsichtsregeln wie „Solvency II“, die in den Häusern „durch Effizienz zu kompensieren“ seien. Auch das „wird zu einer Konsolidierung der Unternehmen führen“, meinte Svoboda am Mittwochabend.

Die Anbieter müssten durch Standardisierung und die Verschlankung von Prozessen kostengünstiger arbeiten. Wem der Administrationsaufwand zu hoch werde bleibe nur die „Bereinigung am Markt“, durch Rückzug oder das Hineinbewegen in andere Player, also Zusammenschlüsse. Svoboda: „Kleine Versicherer werden noch mehr unter Druck kommen. Wir als UNIQA fühlen uns gut aufgehoben.“ Im Konzern kümmern sich mittlerweile 50 Mitarbeiter um Aufsichtsthemen, sagte der für Regulatory Affairs zuständige Andreas Rauter. Auch er rechnet mit einer „Verdichtung in der Branche“, einer Konzentration und „mehr Übernahmen“.

Für die Kunden wird es durch die neuen Regeln „transparenter und einfacher“, rechnen Svoboda und Rauter. Für die Verbraucher werde es mehr Möglichkeiten geben, Produkte vergleichen zu können. Künftig werde sich nach einem europaweit einheitlichen Standard, der soeben unter Ägide der europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA erarbeitet wird, leichter das „günstigste“ Produkt eruieren lassen.

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Speziell die Höhe der Vergütungen, also der Provisionen, die beim Abschluss einer Polizze anfallen, soll dabei leichter ersichtlich werden. Für eine gängige Lebensversicherung bezifferte Svoboda die Vergütung mit 120 bis 160 Promille einer Jahresprämie, in Nicht-Leben (etwa Auto) seien es 12 bis 20 Prozent. Die Provisionsseite werde unter Druck kommen, was der Branche aber auch gut tue: Es werde sich das Hochlizitieren - seitens der Makler - aufhören, und die Bandbreite der Vergütungen werde vermutlich „schmaler“ werden.

Eingebettet sein sollen die neuen Transparenz-Bestimmungen, die für 2017/18 erwartet werden, in diverse Consumer-protection-Regelungen wie IMD, MiFiD oder PRIPs. Bei PRIPs, der EU-Verordnung zu Packaged Retail Investment Products, geht es um Basisinformationsblätter für Verbraucher, inklusive die Provisionsoffenlegungen. IMD betrifft die EU-Vermittlerrichtlinie, und bei MiFiD handelt es sich um die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente. Hinzu kommen auf globaler Ebene noch Regeln für die ganz großen systemrelevanten Player wie Allianz, Axa oder Münchener Rück in der EU oder auch die Swiss Re. Außerdem bemüht sich die internationale Aufsicht IAIS um eine Vereinheitlichung der europäischen und amerikanischen Standards, Resultate sind da aber erst in einigen Jahren zu erwarten. Irgendwann, ab 2020, werde wohl auch ein zentrales europäisches Versicherungsaufsichtssystem diskutiert werden, nimmt Svoboda an - vergleichbar dem neuen Bankenaufsicht-Modell unter dem Dach der EZB.

Die Assekuranz bewege sich aktuell in einem schwierigen Umfeld. Durch das von der EZB verursachte „künstliche Niedrigzinsumfeld“ und die erst „halbverdauten Finanzkrisen“ gebe es keine oder nur geringe Renditen für Sparprodukte, die Wieder- und Neuveranlagung sei schwierig, meinte Svoboda und verwies etwa auf Negativzinsen bei Staatsanleihen. Und es gebe keinen Ausblick auf eine rasche Sanierung oder Änderung des Kapitalmarktumfelds. Doch „je schlechter die Zeiten, desto stärker werden Regulatorien und umso strenger ihre Handhabung“, konstatierte er.

Die Komplexität sei hoch. So liege etwa auch bei den ab 2016 geltenden neuen Solvency-II-Eigenkapitalregeln für Versicherer - in Österreich bereits mit einer Novelle zum Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) rechtlich umgesetzt - das „wahre Fleisch“ in den dahinterliegenden Verordnungen. Zuletzt seien dazu 4.000 Seiten an Regelwerk „frisch aus dem Drucker gekommen“ - die Beraterbranche verspüre derzeit einen großen „Frühling“, so Rauter.

~ ISIN AT0000821103 WEB http://www.uniqagroup.com ~ APA254 2015-05-07/12:07


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