Streit mit Akademikern brachte Zeman beinahe in sehr peinliche Lage

Prag (APA) - Nur knapp ist Tschechiens Staatspräsident einer peinlichen Lage entkommen. Am Donnerstag (heute) sollte Milos Zeman feierlich 4...

Prag (APA) - Nur knapp ist Tschechiens Staatspräsident einer peinlichen Lage entkommen. Am Donnerstag (heute) sollte Milos Zeman feierlich 45 Dozenten zu Professoren ernennen. Drei Akademikern wollte er den Titel nicht verleihen. Aus Zorn darüber beschloss die akademische Gemeinschaft einen Zeremonie-Boykott - was zu einer kurzfristigen Absage der Veranstaltung führte, um Zeman vor einem leeren Saal zu retten.

Die akademische Gemeinschaft zeigte sich deshalb so erbost über Zemans Entscheidung, weil die drei betroffenen Dozenten die fachlichen Bedingungen für den Professorentitel erfüllt haben. Der tschechische Präsident begründete seinen Schritt mit der Vergangenheit der drei Dozenten: In zwei Fällen handle es sich um ihre Tätigkeiten vor 1989, in einem um eine angebliche Verwicklung in eine Finanzaffäre.

Akademiker und Politiker - einschließlich jener, die Zeman normalerweise unterstützen - verurteilten die Entscheidung des Staatschefs aufs Schärfste und bezeichneten sie als „Eingriff in akademische Freiheiten“. Die Rektoren der Universitäten reagierten mit einem Aufruf zum Boykott der für Donnerstag geplanten Ernennungszeremonie, bei der die übrigen 42 Dozenten ihren Professorentitel erhalten hätten sollen. Die akademische Gemeinschaft folgte der Boykott-Aufforderung. Um Zeman vor der peinlichen Situation zu bewahren, in einem leeren Saal aufzutreten, sagte der Unterrichtsminister Marcel Chladek die Feierlichkeiten im letzten Moment ab.

Der tschechische Staatschef hatte sich bereits früher ein ähnliches Problem mit der akademischen Gemeinschaft eingehandelt: 2013 weigerte sich Zeman, einem bekennenden homosexuellen Akademiker den Professorentitel zu verleihen. Er sei mit einem vulgären Protestschild bei einem Homosexuellenmarsch aufgetreten, und das sei unvereinbar mit dem Profil eines Universitätsprofessors, hieß es damals. In jenem Streit gab Zeman nach und unterzeichnete das Ernennungsdekret letztendlich zwar, ließ es aber durch den Unterrichtsminister überreichen.


Kommentieren