EU-Stillstand bei Innovation, Österreich fällt zurück

Private Investitionen in Europa sind rückläufig. Kritik an zögerlicher Politik in Österreich. In Tirol werden Potenziale zu wenig genutzt.

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Brüssel, Wien, Innsbruck –Innovationen gelten als Motor für die Wirtschaft. In Österreich ist dieser Motor jedoch ins Stocken geraten. Im Innovationsanzeiger der EU ist Österreich erneut um einen Platz zurückgerutscht. Auch die anderen EU-Mitglieder haben mit stagnierender Innovationskraft zu kämpfen. Wirtschaftsvertreter fordern mehr Anstrengungen, um den Negativtrend umzukehren.

Der neueste Innovationsanzeiger der EU-Kommission zeigt für 2015 im Vergleich zum Vorjahr ein stagnierendes Bild. In der Spitzengruppe der „Innovationsführer“ befinden sich Deutschland, Dänemark, Finnland und Schweden. Österreich rangiert in der zweiten Gruppe gemeinsam mit sieben weiteren EU-Staaten, die über dem Durchschnitt der Europäischen Union liegen. Doch mit Platz elf hat Österreich zum vierten Mal in Folge einen Platz eingebüßt.

Noch gehört Österreich zu den Ländern, die als „starke Innovatoren“ bezeichnet werden. Aber beim Innovationswachstum von 2014 auf 2015 liegt Österreich nur auf Rang 21 – gegenüber dem Vorjahr ist in der Alpenrepublik sogar ein leichtes Schrumpfen verzeichnet worden.

Der EU-Kommissar für Forschung und Innovation, Carlos Moedas, sprach von einem „Stillstand“ in der Entwicklung. Vor allem bei Privatinvestitionen ist die Tendenz rückläufig. Er fordert die Verbesserung der Bedingungen für Investitionen und die Schaffung eines Binnenmarktes für innovative Produkte und Dienstleistungen.

In Österreich haben Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV) den Verlust der Innovationskraft beklagt. „Österreich entfernt sich immer weiter von den „Innovation Leadern“, warnt IV-Vize-Generalsekretär Peter Koren. WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz verlangt, weitere Maßnahmen mit Hebelwirkung, etwa bei der lang bekannten Schwäche im Bereich Risikokapital, zu ergreifen. Hier sollte ein steuerlicher Freibetrag für in Klein- und Mittelbetriebe investierende private Kapitalgeber umgesetzt werden. Zudem fordert sie, dass Doktorats-Studierenden aus Drittstaaten der Verbleib in Österreich erleichtert wird.

Mario Eckmaier, der Obmann der Tiroler Jungunternehmer, vermisst im TT-Gespräch ebenfalls den Weitblick bei der Standortpolitik: „Der Staat braucht Mut, Reformen umzusetzen, die den Unternehmern mehr Freiheit bei der Umsetzung ihrer Ideen geben.“ Zu oft vergleiche man sich mit Regionen, in denen es schlechter läuft. In Tirol beobachtet Eckmaier eine lebendige, innovative Start-up-Szene. Diese sei aber noch zu sehr auf den Dienstleistungsbereich ausgerichtet. Vorhandene Potenziale würden noch zu wenig genützt: „Aus den Universitäten in Innsbruck werden zu wenige innovative Technologien in Unternehmen umgesetzt“, sagt Eckmaier. Zudem würden wegen bürokratischer Hürden zahlreiche Gründer darüber nachdenken, ihre Ideen im Ausland umzusetzen. (APA, ecke)


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