Führende deutsche Bausparkasse kündigt Altverträge wegen hoher Zinsen

Stuttgart (APA/dpa) - In den Zeiten anhaltend niedriger Zinsen schließt sich in Deutschland nun die führende Bausparkasse Schwäbisch Hall de...

Stuttgart (APA/dpa) - In den Zeiten anhaltend niedriger Zinsen schließt sich in Deutschland nun die führende Bausparkasse Schwäbisch Hall der Kündigungswelle in diesem Sektor an. Das Unternehmen will seinen Kunden in den nächsten Wochen mitteilen, dass es bestimmte Altverträge zum 31. Dezember 2015 kündigen wird, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“.

Die Verträge, die es jetzt treffe, seien zehn Jahre und länger zuteilungsreif. Die Kunden hätten bei ihnen bisher aber das Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen. Es gebe noch zahlreiche Verträge aus den 1950er Jahren. Insgesamt liegt die Zahl der Kündigungen in der Größenordnung von 50.000 Verträgen.

Vor Schwäbisch Hall hatten schon viele andere deutsche Bausparkassen einen solchen Schritt angekündigt, etwa zahlreiche Landesbausparkassen (LBS) oder auch BHW und Wüstenrot. Nach Wüstenrot-Angaben handelt es sich um ein Prozent der Kunden - also rund 30.000 Verträge. Deutschlandweit sind laut früheren Medienberichten bisher rund 150.000 Bausparer von den Kündigungen betroffen, die Kündigungswelle hat im Herbst eingesetzt. Schwäbisch Hall hatte schon im September wegen der Niedrigzinsen ein Sparprogramm samt Personalabbau angekündigt: Bis Ende 2016 wolle man die Sach- und Personalkosten um 50 bis 80 Mio. Euro senken, hieß es damals, und in der Zentrale in Schwäbisch Hall mit 3.300 Leuten den Mitarbeiterstand um 200 bis 250 senken.

„Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank drückt auch auf die Erträge der Bausparkassen“, sagte der Vorstandschef des Verbandes der Privaten Bausparkassen in Deutschland, Andreas Zehnder, nun dazu: „Deswegen kommen sie um unpopuläre Maßnahmen nicht herum.“ Dazu gehöre die Kündigung voll besparter Verträge. Sie bieten oft hohe Sparzinsen, die die Verbraucher freuen, für die Bausparkassen aber immer schwerer zu finanzieren sind.

Schwäbisch Hall hatte bei der Bilanzpressekonferenz im Jänner erneut auf die schwierige Lage für die Bausparkassen hingewiesen. Seither habe sich die Lage noch einmal verschärft, sagte der Sprecher jetzt. Seit die EZB im März ihr Anleihekaufprogramm über mehr als eine Billion Euro gestartet hat, sind die Zinsen nochmals unter Druck geraten, was die Ertragslage der Bausparkassen drastisch verschlechtert. Wie berichtet leiden ja auch die Lebensversicherer immer mehr unter den anhaltenden Niedrigzinsen.

Die deutschen Bausparkassen sehen sich juristisch auf der sicheren Seite und verweisen auf ein Urteil des Landgerichts Mainz. Verbraucherschützer bewerten das Vorgehen der Institute aber kritisch. Weitere Klagen von Bausparkunden seien in Vorbereitung, sagte Niels Nauhauser, der Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, den „Stuttgarter Nachrichten“. Vieles spreche dafür, dass der Streitfall am Ende zugunsten der Verbraucher ausgehen werde.


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