Gabaliers Griffe in die Trickkiste

Der „Mountainman“ unternimmt die Tour zum nächsten Gipfel des Erfolgs, und da ist wohl eine Gratwanderung miteinkalkuliert.

Von Hubert Trenkwalder

Graz –Eines vorweg: Es gibt sie wieder auf dem neuen Album, die „Haxerl“, die „Maderl“, er geht wieder „Sterndal schauen und Herzal klauen“. Und dass mit zunehmendem Erfolg auch die Kritiker dem steirischen Erfolgskernbua exponentiell entgegenbrüllen, verwundert keinen.

Wohl aber, dass eines seiner erklärten Idole, der Vater der Lederhosenverwurzelten Weltmusik Hubert von Goisern, sich vor Grauen abwendet, indem er bei „Stermann & Grissemann“ für die TV-Zuseher unüberhörbar die genderpolitisch motivierten „Rülpser“ (Zitat Hubert von Goisern) von Andreas Gabalier kaum ertragen kann.

Da wird der Goiserer beim Song „A Meinung habn“, Gabaliers aktueller Einschätzung zur Funktionsweise einer Demokratie, wohl eine zweimonatige Auszeit in Tibet ins Auge fassen müssen. Dies ist nämlich wirklich kaum zu verkraften.

Andererseits lässt einen der Verdacht nicht los, dass der intelligente Bursch aus Graz sogar seine größten Kritiker instrumentalisiert. Er bleibt locker, grinst in die Kameras und meint: „Ich bleib’ trotzdem ein Fan von Hubert von Goisern.“

Er inszeniert sich als alpiner Superman, und das geht nur authentisch, wenn man ein Stück weit selbst so einen in sich vermutet. Andreas Gabalier ist ein Erfolgsjumbo mit weit mehr als vier Triebwerken: einem hochbegabten Produzenten (Matze Roska) mit unerschöpflicher Kreativität, einem Mentor und Förderer wie Erfolgsunternehmer Klaus Bartelmuss, einem geerdeten, bodenständigen Booker und Tourmanager wie Sepp Adlmann. Würde natürlich alles nichts nützen, wenn er nicht schon als Typ diese unnachahmliche Marke wäre, die ihm beinahe monatlich zu neuen Rekordmeldungen verhilft. Die Tickets für seine Liveshows gehen immer noch weg wie die warmen Semmeln, und alles andere als eine monatelange Einserbank mit dem „Mountainman“-Albu­m in den Charts wäre eine faustdicke Überraschung.

Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht abzusehen. Und seine volkstümliche Kollegenschaft ist sich einig. Für diese Szene ist er nämlich ein Riesenglück. Denn so jung fühlte sich die Dirndl-Lederhosen-Gaudi bei den unzähligen Zeltfesten und Freiluftkonzerten hierzulande schon lange nicht mehr an.


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