Frankfurter Rentenmarkt tendiert sehr schwach

Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Der Ausverkauf am deutschen und europäischen Anleihemarkt setzt sich in erhöhtem Tempo fort. Am Donnerstag...

Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Der Ausverkauf am deutschen und europäischen Anleihemarkt setzt sich in erhöhtem Tempo fort. Am Donnerstag fiel der Euro-Bund-Future, der die Kursentwicklung abbildet, in der Spitze um mehr als ein Prozent bis auf 151,44 Punkte. Das war der tiefste Stand seit Dezember. Im Gegenzug stiegen die Renditen weiter an. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit bis zu 0,77 Prozent. Vor drei Wochen waren es noch 0,05 Prozent.

Der Zinsanstieg war bis auf wenige Ausnahmen nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Asien zu beobachten. Zehnjährige japanische Staatsanleihen rentieren derzeit mit 0,42 Prozent - nach 0,28 Prozent Mitte April. In Europa werfen britische Staatspapiere wieder mehr als zwei Prozent ab, französische Titel mehr als ein Prozent. vor wenigen Wochen waren es jeweils gut 0,5 Prozentpunkte weniger. Auch zehnjährige Anleihen des sicheren Anlagehafens Schweiz rentieren wieder klar im positiven Bereich.

Ein wichtiger Grund für die rapide steigenden Marktzinsen sind bessere Konjunkturaussichten für den Euroraum. Dagegen trübt sich die Lage in den USA zunehmend ein. Experten sind über das Ausmaß Renditezuwächse dennoch erstaunt, weil die Europäische Zentralbank (EZB) nach wie vor in erheblichem Umfang Staatsanleihen kauft und keine Anstalten macht, diese vorzeitig zu beenden oder zu verringern. Normalerweise sollten die EZB-Käufe die Kurse stützen und dazu führen, dass die Renditen zumindest nicht nennenswert steigen.

Die Anleihemärkte scheinen in den vergangenen Jahren aber derart heiß gelaufen zu sein, dass sich jetzt die lang erwartete Korrektur vollzieht. Experten verweisen zudem auf Gründe in der Marktstruktur: Weil große Notenbanken wie die Federal Reserve Staatsanleihen in hohen Summern aus den Märkten genommen haben oder dies wie die EZB noch tun, sind die Marktumsätze gefallen. In weniger liquiden Märkten fallen Kursschwankungen zumeist größer aus, weil einzelne Transaktionen stärker ins Gewicht fallen.


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