Münchner Kammerspiele: Lilienthal will Stadttheater als coolen Club

München (APA/dpa) - An den Münchner Kammerspielen wird wenig so bleiben, wie es war. Multiple Theaterprojekte, Stücke als „Work in progress“...

München (APA/dpa) - An den Münchner Kammerspielen wird wenig so bleiben, wie es war. Multiple Theaterprojekte, Stücke als „Work in progress“, nur kurze Zeit zu sehende Blitz-Gastspiele, Roman-Dramatisierungen, eine enge Zusammenarbeit mit freien Theatergruppen und sogar Mini-Opern - all das soll man künftig an dem traditionsreichen Stadttheater unter dem neuen Intendanten Matthias Lilienthal erleben können.

Außerdem werde das Haus noch internationaler und jünger, sagte Lilienthal am Donnerstag bei der Präsentation seiner ersten Spielzeit 2015/2016. Für junge Erwachsene soll es für 80 Euro eine „Kammerflat“ geben, für die sie so oft die Münchner Kammerspiele besuchen können wie sie möchten. „Ich will Leute, die das Theater als ihr Wohnzimmer oder ihren Club betrachten“, sagte Lilienthal. Der 55-jährige Berliner, der bisher u.a. Chefdramaturg an Frank Castorfs Berliner Volksbühne, Programmdirektor des Festivals „Theater der Welt“ und Intendant des Theaters Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin war, ist Nachfolger von Johan Simons, der zum Ende der laufenden Saison als künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale wechselt.

Eröffnet wird die neue Spielzeit am 9. Oktober mit dem einzigen echten Klassiker in der kommenden Saison, Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ in der Inszenierung des neuen Hausregisseurs Nicolas Stemann. Außerdem wird er die langjährige Zusammenarbeit mit Elfriede Jelinek fortsetzen und die Uraufführung von „Wut“ (April 2016) sowie eine Neubearbeitung von „Die Kontrakte des Kaufmanns 2015ff.“ an den Kammerspielen zeigen.

Am Eröffnungswochenende sind auch eine Arbeit des libanesischen Künstlers Rabih Mroué, bei dem das Münchner Olympia-Attentat von 1972 eine zentrale Rolle spielt („Ode to Joy“), sowie die neue Arbeit von Rimini Protokoll zur Rezeptionsgeschichte von Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ zu sehen. Die Spezialisten für Dokumentartheater Helgard Haug und Daniel Wetzel untersuchen dabei die der Hetzschrift, deren (bisher vom Freistaat Bayern verwalteten) Nutzungsrechte 2016 frei werden.

Christopher Rüping inszeniert „Der Spieler“ nach dem Roman von Fjodor Dostojewski und wird ab der Spielzeit 2016/17 als Hausregisseur dazustoßen, außerdem inszenieren u.a. Simon Stone (der Australier inszeniert „Rocco und seine Brüder“ nach dem Film von Luchino Visconti), Anna-Sophie Mahler und Felix Rothenhäusler. Das Schauspielhaus heißt künftig „Kammer 1“, die Spielhalle „Kammer 2“ und der Werkraum „Kammer 3“.

(S E R V I C E - http://www.muenchner-kammerspiele.de/)


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