56. Kunstbiennale: Zobernig lässt von ihm geschaffene Ruhe endlich zu

Venedig (APA) - „Jetzt haben wir Punkt Null erreicht, ich trete zurück und Sie können es selber erleben.“ Mit diesen knappen Worten stellte ...

Venedig (APA) - „Jetzt haben wir Punkt Null erreicht, ich trete zurück und Sie können es selber erleben.“ Mit diesen knappen Worten stellte Heimo Zobernig, der im Vorfeld - für ihn untypisch - „sehr, sehr viel kommunizieren musste“, am frühen Donnerstagnachmittag seinen Österreich-Pavillon auf der 56. Kunstbiennale von Venedig vor. Ein Statement, so reduziert wie seine Rauminstallation.

Dunkel und angenehm kühl ist es im Pavillon, in dem Zobernig eine schwarze Zwischendecke abgehängt hat, wodurch sowohl die Dachfenster als auch die Rundbögen der Architektur von Josef Hoffmann verschwinden. Schwarz ist auch der Boden, die unterschiedlichen Ausstellungsebenen wurden vereinheitlicht. Die Räume öffnen sich in den seit der Architekturbiennale bepflanzten Garten, der Pavillon mündet so in einer überdachten Terrasse mit Einblicken in die „leeren“ Ausstellungsräume. Die Wände sind weiß geblieben, insgesamt vier ebenfalls weiße, lang gezogene Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

„Ich habe ihn eingeladen, weil ich seit meiner Jugend ein großer Fan von ihm bin“, räumte Kommissär Yilmaz Dziewior zu Beginn der Pressekonferenz schmunzelnd ein. Zobernig sei ein „Künstler, der sehr delikat mit dem Kontext umgeht, das sieht man hier sehr präzise“, so der ehemalige Leiter des „Kunsthaus Bregenz“. „Das hier, also die Giardini und das Arsenale, ist ein Ort des Wettbewerbs. Jeder will die meiste Aufmerksamkeit, jeder ist sehr laut, um diese Aufmerksamkeit zu kriegen“, umschrieb der Kommissär jene Situation, mit der Zobernig nun „ganz anders umgegangen ist“. Mit seiner Intervention sei es dem in Kärnten geborenen Künstler gelungen, etwas mit den Besuchern zu machen. „Die Leute werden langsamer und werden sich ihrer Körperlichkeit bewusst. Wenn man auf der Bank sitzt und die Menschen beobachtet, die reinkommen, ist das fast wie eine Skulptur.“

Eine solche hat es übrigens ursprünglich sogar gegeben. Zusätzlich zum Raumkonzept hatte Zobernig sie erschaffen, nun ist sie nur im Katalog zu sehen. „Zuletzt fand er es kontraproduktiv, sie auszustellen“, erklärte Dziewior stellvertretend für den ruhigen Künstler. „Da wäre jeder nur in den Pavillon gekommen, um die Skulptur zu sehen.“ Die 227 Zentimeter hohe Bronzeskulptur setzt sich, so erfährt man im Katalog, aus drei bereits bestehenden Zobernig-Skulpturen zusammen. 3D-Scans bildeten die Vorlage für das neue, titellose Werk, das nun durch seine Abwesenheit glänzt. So ist es wirklich der Raum selbst, der zur Attraktion wird.

Darüber freute sich auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), der Dziewior zum Kommissär ernannt hat. Bereits in den Vorgesprächen habe man gemeinsam überlegt, wie man „eine Situation schaffen könne, an die man sich erinnert“, so der Minister. Als Dziewior Zobernig präsentierte, „habe ich zugestimmt, obwohl ich ja gar nicht zuzustimmen habe“, schmunzelte ein sichtlich entspannter Ostermayer, dessen Ministerium 400.000 Euro für den Pavillon bereitgestellt hat. Fast ebenso viel konnte man (inklusive Sachspenden) von Sponsoren lukrieren, wie der Dziewior sagte.

„Die Biennale kann man nur scannen“, so Ostermayer. „Hier im Österreich-Pavillon kann man zur Ruhe kommen und alles noch einmal durchleben.“ Diese Einladung nahmen die zahlreichen Besucher im Anschluss an die Pressekonferenz gerne an. So mancher wird in den nächsten Tagen bestimmt gerne an diesen Ort im hintersten Winkel der Giardini zurückkehren, um durchzuatmen.

(S E R V I C E - Österreichischer Pavillon auf der 56. Kunstbiennale von Venedig. 9. Mai bis 22. November, Infos unter www.austrianpavilion.at)

(B I L D A V I S O - Pressefotos der Ausstellung stehen unter http://www.austrianpavilion.at/presse.html bereit, Fotos von der Eröffnung gibt es unter http://www.austrianpavilion.at/eroeffnung.html ))


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