Mordprozess in Graz 2 - Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung

Graz (APA) - Am Nachmittag haben nach längerer Beratung über die Fragen an die Geschworenen die Schlussplädoyers begonnen. Die Staatsanwälti...

Graz (APA) - Am Nachmittag haben nach längerer Beratung über die Fragen an die Geschworenen die Schlussplädoyers begonnen. Die Staatsanwältin erklärte, der Angeklagte habe mit dem Gewehr „gezielt geschossen, so ein Treffer passiert nicht einfach so.“ Der Verteidiger meinte dagegen ganz klar: „Es war Notwehr.“

Staatsanwältin Kathrin Heidinger ließ noch einmal die Geschehnisse, die zum Tod des 16-jährigen Grazers geführt haben, Revue passieren. Zwei Tage hatten das Opfer, der Angeklagte und ein Mädchen zusammen verbracht, ehe der 17-Jährige dem Bekannten in den Kopf schoss. „Kaltblütig, aus Eifersucht und aus dem Motiv der Rache“, war die Anklägerin überzeugt.

Die Notwehrversion hielt sie für unglaubwürdig, nicht zuletzt wegen der Tätowierung, die sich der Beschuldigte in der Haft hat machen lassen: „Vendetta“ und „§75“ würde nun groß auf seiner Brust prangen. Er sei wegen der gemeinsamen Freundin eifersüchtig gewesen und wollte den Konkurrenten aus dem Weg schaffen: „Von Versehen oder Unfall keine Rede“, unterstrich Heidinger. „Er war zurechnungsfähig und ist gefährlich“, meinte die Staatsanwältin, die neben einer Verurteilung auch eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragte.

„Er wollte die Situation dort beenden“, versuchte Verteidiger Gerald Ruhri zu erklären, warum der Angeklagte mit dem Gewehr zu seinem Freund und dem Mädchen in die Kellerwohnung gegangen ist. Die Waffe hätte nur als „stärkeres Argument“ dienen sollen. „Hätte er vorgehabt, ihn zu erschießen, hätte er das Gewehr geholt und geschossen. Aber er wäre nicht zu seinen Freunden gegangen und hätte gesagt, er will seine Freundin dort heraus holen.“ Daher sei die Notwehrversion absolut glaubwürdig, meinte der Anwalt.

Zuletzt gab er bezüglich der Strafe zu bedenken: „Es handelt sich hier nicht um 14 Tage Fernsehverbot.“ Schwerer als eine Freiheitsstrafe würde die Einweisung in die Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wiegen, denn das bedeute „eingesperrt sein mit Open End“. Er forderte daher nochmals die Geschworenen auf, einen neuen psychiatrischen Gutachter zu beantragen, da bisher kein Spezialist für Kinder- und Jugendpsychiatrie beigezogen worden sei.

Ein Urteil wurde für den Abend erwartet. Die APA wird berichten.


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